5 Jahre Paris – (K)ein Grund zu feiern

Vor fünf Jahren ereignete sich historisches: Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder in Paris die Klimakrise ernst zu nehmen und ihr entschlossen und geschlossen entgegenzutreten.

Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen. Ein Abkommen, das lange und zähe Verhandlungen benötigte, das zwischen Ländern, die besonders früh und stark unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden werden und den reichen Industriestaaten, die den größten Teil zur Entstehung der Klimakrise beitragen, vermittelt. Ein Abkommen, das unter hohem Druck der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung entstanden ist und, das bereits einen Kompromiss darstellt.

Das Pariser Abkommen formuliert das Ziel der Begrenzung des globalen mittleren Temperaturanstiegs auf deutlich unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten, bestenfalls solle der Anstieg auf unter 1,5 Grad begrenzt werden [1]. Deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad – schnell wird klar, dass diese Grenzen nicht willkürlich gewählt wurden. Ganz im Gegenteil: Die Grenzen sind darauf ausgelegt die Auswirkungen der Klimakrise weltweit in einem kontrollierbaren Rahmen zu halten, sie sind darauf ausgelegt das Eintreten von Klimakipppunkten zu vermeiden. Mit deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad wurde also ein Ziel gewählt, das abwägt zwischen weltweiter Umsetzbarkeit und einem Ausmaß der Klimakrise, welches unbedingt verhindert werden muss. Es wurde ein Kompromiss gewählt zwischen den reichen Industriestaaten und den Ländern, die schnell und stark unter der Klimakrise leiden werden. Dass dieser Kompromiss sinnvoll ist wurde auch im Nachhinein vielfach wissenschaftlich bestätigt. So veröffentlichten beispielsweiße 2016 Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf und Ricarda Winkelmann, Wissenschaftler*innen des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ein Paper mit dem Titel „Warum die richtigen Klimaziele in Paris beschlossen wurden“ [2]. Darin zeigen sie auf, dass das Überschreiten von 1,5 Grad um jedes weitere zehntel Grad zu unumkehrbaren Folgen führen könnte, Kipppunkte ausgelöst werden könnten und die Klimakrise nicht mehr zu kontrollieren sei. Bei 2 Grad sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Kippunkte überschritten werden.

Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder also wahrlich historisches. Historisches, das, wie bereits erwähnt, auch schon damals unter hohem Druck der Klimagerechtigkeitsbewegung entstand. So gab es beispielsweiße im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens etliche Aktionen. Allein am 28. und 29. Dezember 2015 waren weltweit 2.173 Veranstaltungen geplant [3]. Mit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens wurde also nicht nur von den 196 Ländern historisches geschaffen, sondern auch von der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung.

Ist der 12. Dezember also ein Grund zu feiern?

Um das zu beantworten darf man nicht nur den 12. Dezember 2015 betrachten. Stattdessen muss man sich auch anschauen, was sich seit 2015 getan hat. Schnell wird einem klar, dass sich effektiv sehr wenig getan hat. Zurzeit steuern wir auf eine circa 4 Grad heißere Welt zu, vom 1,5 Grad-Ziel sind wir weit entfernt. Auch Deutschlands Klimaziele reichen bei Weitem nicht für die Erfüllung des Pariser Abkommens und verfehlen dabei sogar die 2-Grad-Grenze, wie auch nochmal die 1,5-Grad-Studie des Wuppertal Instituts in Auftrag von Fridays For Future Deutschland zeigt [4]. Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt währenddessen, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen [5]. Schon heute leiden also vor allem die Länder, die 2015 auf ein ambitioniertes Pariser Klimaabkommen und die Festschreibung des 1,5-Grad-Ziels gedrängt haben, sehr stark unter den Folgen der Klimakrise.

Woran aber liegt es, dass das Pariser Klimaabkommen nicht umgesetzt wird?

Die internationale Klimagerechtigkeitsbewegung kämpft seit 2015 weiter für eine gerechte Klimapolitik. Derzeit kämpft sie in Deutschland unter anderem im Dannenröder Wald für eine Verkehrswende, sie verhinderte im April eine Abwrackprämie, kämpft für einen angemessenen Ausbau der erneuerbaren Energien und brachte am 20.09.2019 allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen [6]. Unterstützung fehlt jedoch aus der Politik. So weigern sich alle großen Parteien ein 1,5-Grad-kompatibles Parteiprogramm vorzulegen. Bislang hat noch keine Partei untersucht, wie man 1,5 Grad in Deutschland umsetzen könnte. Stattdessen wird gegen die Aktivist*innen im Dannenröder Wald vorgegangen, es wird ein unzureichendes Erneuerbaren-Energien-Gesetz vorgelegt, was den Ausbau der erneuerbaren Energien blockieren soll und es wird weiter an einer Klimapolitik festgehalten, die nicht mit dem Pariser Abkommen vereinbar ist.

Fünf Jahre nach dem Pariser Abkommen kämpft die Klimagerechtigkeitsbewegung also weiter, die Politik scheint sich aber nicht mehr an das Abkommen zu erinnern. Der 12. Dezember ist für die Klimagerechtigkeitsbewegung ein Grund zu feiern, ein Grund einmal Inne zu halten und sich selbst für alles erreichte zu loben. Für die Politik jedoch ist der 12. Dezember ein Tag zum Aufwachen. Ein Tag an dem es gilt endlich Mut zu fassen und Versäumtes aufzuholen.

Verweise

[1]United Nations, „Paris agreement,“ 2015. [Online]. Available: http://unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/english_paris_agreement.pdf. [Zugriff am 7 12 2020].
[2]S. R. R. W. Hans Joachim Schellnhuber, „Why the right climate target was agreed in Paris,“ Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung , 11 04 2016. [Online]. Available: http://www.pik-potsdam.de/~ricardaw/publications/schellnhuber_rahmstorf16.pdf. [Zugriff am 07 12 2020].
[3]wikipedia.org, „UN-Klimakonferenz in Paris 2015,“ [Online]. Available: https://de.m.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz_in_Paris_2015. [Zugriff am 07 12 2020].
[4]Wuppertal Institut, „CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze,“ Wuppertal, 2020.
[5]Zeit online, „Klimawandel und Extremwetter lösen immer mehr Naturkatastrophen aus,“ 17 11 2020. [Online]. Available: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-11/rotes-kreuz-studie-naturkatastrophen-klimawandel-extremwetter. [Zugriff am 07 12 2020].
[6]ZDF, „Rekordzahlen bei Klimademos – Wo die meisten Menschen auf die Straße gingen,“ 20 09 2019. [Online]. Available: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/fazit-fridays-for-future-und-beschluesse-klimakabinett-100.html. [Zugriff am 07 12 2020].

Ein Kommentar zu „5 Jahre Paris – (K)ein Grund zu feiern

  1. Bemerkenswerter Satz:
    „Bislang hat noch keine Partei untersucht, wie man 1,5 Grad in Deutschland umsetzen könnte.“
    Sie müssten sich gegenseitig überbieten, streiten. Die Medien müssten voll mit diesem allerwichtigsten Thema sein. Statt dessen nur Corona, …, die bösen Klimaaktivisten, …
    Wenn da nichts kommt, kann ich bei der nächsten Wahl niemand wählen.

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