#FightForOnePointFive – Woche 48/49

Hinter uns liegen ereignisreiche Wochen: Das Pariser Klimaabkommen wurde fünf Jahre alt und weltweit haben wir corona-konform ein Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Ziels gesetzt. Das ist dringend nötig, denn die Klimakrise ist jetzt schon zu spüren und mit jedem Zehntelgrad Erderwärmung steigen auch die negativen Folgen – beispielsweise für unsere Gesundheit, wie eine aktuelle internationale Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es noch viel Nachbesserungsbedarf bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise bei der europäischen Agrarpolitik (GAP) oder beim Kohleausstieg in Deutschland. Mehr dazu lest ihr in unserem aktuellen Wochenbericht.

Fight for One Point Five – Weltweiter corona-konformer Protest und ein Versprechen

Am Freitag, den 11.12 wurde das Pariser Klimaabkommen 5 Jahre alt – und mit weltweit mehr als 3.400 Aktionen online und offline haben wir ein deutliches und corona-konformes Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Limits gesetzt. So hat zum Beispiel unsere Ortsgruppe in Berlin die Botschaft „Fight for 1,5°C“ zum Leuchten gebracht, in Köln gab es einen Banner-Drop und eine Demo mit Abstand und Maske, in Heidelberg gab es eine Lichtinstallation am Heidelberger Schloss und überall in Deutschland gab es viele weitere coole Aktionen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wurde gestreikt, in insgesamt 1934 Städten in 147 Ländern von Chania in Griechenland bis Kampala in Uganda. Gemeinsam haben wir ein klares Zeichen an die Entscheidungsträger*innen gesandt: Wir brauchen jetzt entschlossenes Handeln für Klimagerechtigkeit! Die Zeit der leeren Worte ist vorbei. 

Denn schon jetzt spüren wir die Folgen der Klimakrise: Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen – mehr dazu lest ihr in unserem Sonderbericht zu fünf Jahren Paris: https://fridaysforfuture.de/5-jahre-paris-kein-grund-zu-feiern/

Jedes Zehntelgrad Erderwärmung zählt und hat Auswirkungen auf Menschenleben, das sagt auch der Sonderbericht 1,5°C des Weltklimarats. Deshalb haben über 6.950 Menschen und über 300 Gruppen aus 90 Ländern unser Versprechen unterzeichnet, gemeinsam für eine gerechtere und sichere Gegenwart und eine nachhaltige Zukunft für uns alle zu kämpfen. Bist du schon dabei? Wenn nicht dann kannst du hier unterzeichnen: https://fridaysforfuture.org/fightfor1point5/promise/

Nachschärfung der Klimaziele – 55% sind nicht genug

Fünf Jahre ist es her, seit die meisten Staaten weltweit das Pariser Abkommen unterzeichnet haben und damit versprochen haben, die Erderwärmung unter 2°C möglichst unter 1,5°C zu begrenzen. Bisher hat sich insbesondere im globalen Norden kaum ein Land wirklich gut bei der Umsetzung dieses Versprechens geschlagen. Im Pariser Abkommen ist vorgesehen, dass die Länder alle fünf Jahre ihre Ziele überprüfen und nachschärfen müssen. Das haben sie nun auch bei dem digitalen Gipfel getan: China will bis 2060 klimaneutral werden,  unter anderem Japan, Südkorea, Kanada, Neuseeland und Südafrika, ebenso wie Deutschland und die EU wollen bis 2050 klimaneutral werden. Laut Berechnungen des Climate Action Trackers würden die nachgeschärften Ziele, wenn sie denn umgesetzt würden, dazu reichen, um die Erderwärmung bis 2100 auf ca. 2,1°C im Vergleich zum vordindutriellen Niveau zu begrenzen. 
Wer sich bewusst macht, was 2°C Erderwärmung im Gegensatz zu 1,5°C bedeutet, weiß, dass wir aber hier nicht stoppen können: Wenn die Erde sich um 2°C erwärmt werden wir 99% aller Korallenriffe mit all ihrer wichtigen Bedeutung für das Ökosystem Meer verlieren. Es werden dreimal so viele Insektenarten aussterben, wie schon bei 1,5°C und damit unsere Ernährungssicherheit betroffen sein. Bei 2°C Erderwärmung werden wir in neun von zehn Jahren Hitzewellen wie im Sommer 2016 erleben mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen für alte und chronisch kranke Menschen und Kinder. Viele der pazifischen Inseln stehen bei 2°C unter Wasser, ihre Bewohner*innen verlieren ihr Zuhause.

Deshalb wollen und können wir uns nicht mit Zielen zufrieden geben, die nur für 2,1°C reichen, zumal bei vielen der jetzigen nachgeschärften Ziele die konkreten Pläne fehlen, wie diese umgesetzt werden. Deshalb werden wir uns auch nicht mit dem Ziel der EU, die Emissionen bis 2030 um 55% zu senken zufrieden geben. Denn dieses Ziel ist nicht mit dem 1,5°C Ziel vereinbar und pockert mit unserer Zukunft. Mehr dazu, warum 55% Emissionsreduktion zutiefst ungerecht und nicht zukunftsfähig ist findet ihr in unserem aktuellen Sonderbericht: https://fridaysforfuture.de/wie-uns-die-europaeische-union-zerstoererische-politik-als-pariskonform-verkauft/

Zugleich sind die Nachbesserungen beim digitalen Klimagipfel, wenn auch noch nicht ausreichend, ein gutes Zeichen: Denn es zeigt sich, dass unser Protest wirkt, kein Staat kann heute mehr begründen, nichts gegen die Klimakrise zu tun. Daher lasst uns gemeinsam weiterhin den Druck aufrecht halten und dafür sorgen, dass wirklicher Klimaschutz im Einklang mit dem 1,5°C Limit durchgesetzt wird! 

Offener Brief an die EU Komission: Gemeinsam für Klimagerechtigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft

Gemeinsam mit dem Bündnis junge Landwirtschaft, junges Bioland, dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft, dem jungen Netzwerk freier Bäcker und vielen mehr haben wir einen offenen Brief an Ursula von der Leyen, Frans Timmermans, Janusz Wojciechowski und Stella Kyriakides geschrieben. Denn die aktuelle europäischen Agrarpolitik führt zum Sterben landwirtschaftlicher Höfe, dem Verlust an Artenvielfalt und hohen Treibhausgasemissionen. Als junge Menschen aus der Landwirtschaft und entlang der Wertschöpfungskette von Nahrungsmitteln und als Aktivist*innen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung fordern wir zusammen eine gemeinsame europäische Agrarpolitik, die den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird. Den gesamten offenen Brief könnt ihr hier nachlesen: https://fridaysforfuture.de/landwirtschaft/

Klimakrise macht krank

Eine Studie, die von 120 Wissenschaftler*innen aus 38 akademischen Institutionen sowie UN-Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank erarbeitet wurde, zeigt, dass die Klimakrise tiefgreifende Veränderung für unsere Gesundheit haben wird und bereit hat. Schon jetzt sind die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise auch in Deutschland deutlich zu spüren, zum Beispiel durch stärkere Hitzewellen und die Verschiebung der Pollenflugsaison, die Allergiker*innen Schwierigkeiten macht. Weltweit sind die hitzebedingten Todesfälle bei älteren Personen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast 54% gestiegen. Dazu kommen indirekte Folgen der Klimakrise, wie zum Beispiel die Gefahr von Verbrennungen und Rauchvergiftungen durch häufiger auftretende Waldbrände, Mangelernährung und Folgen von Wirbelstürmen. Die Autor*innen der Studie weisen auf die enorme globale Ungerechtigkeit hin: Während jedes Land von gesundheitlichen Folgen der Klimakrise betroffen ist, trifft es ganz besonders hart die Länder und Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und sich häufig am schlechtesten schützen können. Die Autor*innen schreiben: „Trotz dieser klaren und eskalierenden Anzeichen ist die globale Antwort auf den Klimawandel verhalten, und die nationalen Bemühungen bleiben weit hinter den im Pariser Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zurück.“ Deshalb müssen wir für unsere eigene Gesundheit und für Klimagerechtigkeit da drauf bestehen, dass jetzt endlich gehandelt wird, um das 1,5°C Ziel einzuhalten.

Rodungen im Danni beendet 

Über ein Jahr haben Aktivist*innen den Dannenröder Forst besetzt, um die Rodung für eine Autobahn zu verhindern. Nun wurden die Baumhäuser geräumt und der jahrhunderte-alte Wald ist den Rodungen zum Opfer gefallen. Wenn du mehr erfahren willst, wie das Leben im Danni vor der Rodung war, dann schau mal in unseren Gastartikel von Lene rein:  https://fridaysforfuture.de/ein-ort-an-dem-ich-gluecklich-und-hoffnungsvoll-bin-gastartikel-aus-dem-danni/

Auch wenn der Wald geräumt wurde, haben die Aktivist*innen und viele der Anwohner*innen klar gemacht: Rückwärtsgewandte Verkehrspolitik im Jahr 2020/2021 wird nicht einfach mehr nur so hingenommen. 

Deutschlands Kohleausstieg: „unambitioniert und überholt“

Die auf Datenanalyse und Kohlekraftwerke spezialisierte Nichtregierungsorganisation Ember hat Deutschland bescheinigt in seiner Strategie zum Kohleausstieg zu langsam zu sein und unnötig teuer. Ember hat für eine Studie die Wirtschaftlichkeit von Steinkohlewerken überprüft und kam zu dem Schluss, dass selbst „modernere“ Kraftwerksblöcke, wie Moorburg A und B von Vattenfall sowie Westfalen E von RWE, die erst nächstes Jahr stillgelegt werden sollen, seit 2019 Verluste machen, die sich durch die Corona-Pandemie noch verschlechtert haben. Marktbedingt sei der Kohleausstieg also schon im vollen Gange. Spätestens bei einem CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne, so der Think-Tank Agora Energiewende, seien Kohlekraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig. Dennoch wird in Deutschland an dem späteren Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle mit hohen Entschädigungszahlungen festgehalten, obwohl es Millionen von Steuergeldern kosten könnte und unsere Zukunft aufs Spiel setzt. 

Studie: Alle Parteien außer der sogenannten AfD würden von der Priorisierung von Klimaschutz profitieren

Eine repräsentative Studie der Open Society Foundation, die diesen August durchgeführt wurde zeigt: Mehr als die Hälfte der Befragten sagten, dass Klimapolitik eines der drei wichtigsten Anliegen der Bundesregierung sein sollte. 90% der Grünen-Wähler*innen, 45% der Wähler*innen der Unionsparteien und 57% der SPD-Wähler*innen geben an, die Klimapolitik zu ihrem Maßstab zu machen, welche Partei sie wählen wollen.  „Das kann natürlich gut oder schlecht für eine Partei sein“, sagt Leiter der Studie Jan Eichhorn. „In den meisten Fällen ist es aktuell eher schlecht.“ Der Auftrag an euch ist also klar, liebe Parteien – setzt den Wähler*innen-Willen um und legt endlich überzeugende Pläne für eine nachhaltige und gerechte Klimapolitik die im Einklang mit dem 1,5°C Ziel steht vor. Daran werden wir euch bei der Bundestagswahl messen. 

Ein Kommentar zu „#FightForOnePointFive – Woche 48/49

  1. „Fight for 1.5“ ist gut – und sollte sich bitte auch auf das Wahlergebnis der CDU beziehen!

    Schaut Euch den „Windräder-Knick“ und den Niedergang der Solarbranche an. Schaut Euch an, wie man Euch anlächelt, einlädt, Verständnis heuchelt – und in Wahrheit nichts Durchgreifendes tut, um uns auf den rettenden Weg zu bringen.

    Und bitte nehmt das neue Titelbild raus. 😉

    Mal ehrlich: Links die beiden sympathischen Herren, gefolgt von Lisa, mit ihrem hübschen Gesicht, alle drei kluge, visionäre Köpfe, und dann diese „zukunftsweisende“ Kandidatenreihe, also quasi „Das Beste vom Besten, was die CDU zu bieten hat“, ist das nicht etwas zu viel für durchschnittlich starke Nerven?

    Kompensieren kann man das nur, indem ein Wahlplakat daraus wird. Dann können schockierte Betrachter sich mit dem Gedanken trösten, sich am Wahltag mit einer echen Alternative Erleichterung zu verschaffen.

    Das wäre zu schön!

    LG Armin

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