Leave no one behind – Weltflüchtlingstag 2020

Weltweit sind Menschen auf der Flucht. Sie fliehen vor bewaffneten Konflikten, Terror und Verfolgung, Perspektivlosigkeit und Not. Und zunehmend auch vor den Folgen der Klimakrise.

Dina Ionesco, die Chefin der Abteilung „Flucht, Umwelt und Klimawandel“ in der Internationalen Organisation für Migration IOM sagt diesbezüglich: Umweltveränderungen und Naturkatastrophen haben schon immer eine Rolle gespielt, wie sich die Bevölkerung weltweit verteilt habe. Durch die Klimakrise sei es aber wahrscheinlich, dass sich Migrationsmuster grundlegend verändern werden. Zukünftige Degradierung von Land, das für Landwirtschaft genutzt wird, die Störung fragiler Ökosysteme und die Erschöpfung wertvoller natürlicher Ressourcen wie Frischwasser würden dazu führen, dass mehr Menschen ihr Zuhause verlassen werden müssen.

Die Weltbank sagt voraus, dass  bis 2050 143 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes vertrieben werden könnten, also sogenannte Binnenflüchtlinge werden könnten, wenn es keine Handlungen gegen den Klimawandel gibt. Die IOM schätzt, dass – selbst wenn die globale Temperatur nur um 1,5°C steigt, bis zum Ende des Jahrhunderts 30 bis 60 Millionen Menschen in Gegenden leben werden, die zu heiß für den menschlichen Körper sein werden um zu funktionieren und daher fliehen werden müssen.

Bereits jetzt zwingen Klimawandel und Umweltzerstörung Millionen von Menschen auf die Flucht.  So hat das Wetterphänomen El Nino eine Dürre am Horn von Afrika ausgelöst, die 2015 und 2016 zu erhöhter Vertreibung von Menschen geführt hat. In Alaska ziehen ganze Dörfer „freiwillige“ Umsiedlung in Betracht, weil sie von der Erosion der Küsten betroffen sind. Laut dem Internal Displacement Monitoring Center mussten 2018 17.2 Millionen Menschen ihr Zuhause aufgrund von Katastrophen verlassen. Auch langsame Veränderungen, wie die Versauerung der Ozeane, Wüstenbildung und die Erosion der Küsten haben eine direkte Auswirkung auf die Existenzgrundlage der Menschen und ihre Möglichkeit an ihrem Herkunftsort zu überleben.

Der UN-Menschenrechtsaussschuss hat nun vor einiger Zeit den Klimawandel als Fluchtursache anerkannt und geurteilt, dass Menschen nicht in Länder abgeschoben werden dürfen, in denen ihnen aufgrund der Folgen des Klimawandels Gefahr für ihr Leben droht. Unser Bundesinnenministerium sieht das anders. Anfang des Jahres hat eine Sprecher des Ministeriums bekannt gegeben, der Zusammenhang zwischen Klima und Flucht sei unzureichend untersucht und deshalb sei die Flucht vor den Folgen der Klimakirse kein Grund Asyl oder Flüchtlingsschutz einfordern. Diese Einstellung verschließt die Augen vor der Realität von Millionen Menschen, insbesondere aus dem globalen Süden, deren Existenz durch Dürreperioden bedroht ist und wo Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Taifune und Waldbrände Menschen dazu zwingen,  alles zurück zulassen, weil es ihr Haus, ihre Gemeinde einfach auf einen Schlag nicht mehr gibt.

Richtig ist, dass die Auswirkungen des Klimawandels noch weitaus komplexer sind als das. Nicht nur Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse und die Verschiebung von klimatischen Bedingungen sind Folgen der Klimakrise, die Menschen zur Flucht zwingen, sondern auch soziale Konflikte und Bürgerkriege. So geht man davon aus, dass der Syrien-Krieg, der unzählige Menschen das Leben gekostet hat und sie zur Flucht gezwungen hat, durch den Klimawandel mitverursacht wurde: Eine Dürre 2007 – 2010 führte zu Ernteeinbrüchen, sodass viele Landwirt*innen und Viehzüchter*innen in die Stadt zogen. In nur acht Jahren wuchsen die Ballungszentren deshalb um 50% und dies trug zu politischen Unruhen bei.    

79, 5 Millionen Menschen waren Ende 2019 auf der Flucht. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch. Ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, mit seinen Träumen, Hoffnungen auf ein besseres Leben, auf Sicherheit und eine Perspektive. Aber weltweit werden die Rechte geflüchteter Menschen häufig missachtet und verletzt. Gerade jetzt in Zeiten von Corona sind viele geflüchtete Menschen der Gefahr durch die Pandemie schutzlos ausgesetzt.

Wir müssen jetzt geflüchtete Menschen besser schützen und wir müssen die Fluchtursache Klimawandel bekämpfen, damit hoffentlich, in Zukunft Menschen frei entscheiden können, ob sie in ein anderes Land oder in eine andere Region ziehen und  nicht deshalb, weil ihr Zuhause von einem Taifun verschlungen wurde und ein bewaffneter Konflikt sie um ihr Leben fürchten lässt.

My von der AG der Studierenden bei FFF, Students for Future, hat anlässlich des Weltflüchtlingstags ein bewegendes Gedicht verfasst. Schaut gerne mal rein!

Ein Kommentar zu „Leave no one behind – Weltflüchtlingstag 2020

  1. Hallo. Kohleabbau – schön lange !? —– Wir sind in einem Strudel, der uns immer weiter in die Mitte zieht, um dort abzusaufen. Noch können wir mit viel Entschlossenheit raus aus diesem Strudel und größtenteils Überleben. Ich sehe noch keine Entschlossenheit in der Politik.
    Ich sehe die Titelseite der Berliner Woche. TVO. Prächtiges Bauwerk. Sehr viel neue Straße und Beton. Extrabreit. Es soll sogar möglich sein, dieses Bauwerk zu Fuß und mit dem Fahrrad an einigen Stellen zu überqueren.
    Viel Geld daß nicht in den Klimaschutz fließt, sondern in die beschleunigte Zerstörung unseres Klimas. Flächenverbrauch, Naturzerstörung, mehr Autos, mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Mikroplastik(Reifenabrieb) und weniger Chancen für Natur, Umwelt und Klima. Was soll dieser Unfug? Soll jede/r Volljährige auf der Welt mit seinem Auto auf schönen breiten Straßen der Stadt entfliehen können, um vergebens nach einem Stück Natur zu suchen? Ich erspare mir das Rechnen!
    Es geht so nicht weiter. Es genügt keine leichte Bremsung. Wir brauchen den Rückwärtsgang! (Ohne Auto, ohne Kohle, … Jetzt!)

    Beichte. Es ist mir zu unbehaglich, meinen Namen, meine Adresse, … im Internet erfassen zu lassen und Euch mit diesen Aktionen zu unterstützen. Tut mir Leid. Ihr seit die Helden und meine Hoffnung!

    Der (Angst-) Hase (und Ex (Sofa-)Held)

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