Zeit für Klimagerechtigkeit #KeinGradWeiter – Teil IV: Eine gerechtere Zukunft

Am 25.09. gehen wir weltweit auf die Straße und protestieren für Klimagerechtigkeit.
Die Klimakrise ist längst da. Schon heute sterben Menschen an ihrem Folgen und wir befinden uns auf einem Kurs, der unausweichlich millionenfaches Leid verursachen wird.

Gleichzeitig stehen wir jetzt an einem Wendepunkt in unserer Geschichte: Wir sind die letzte Generation, die noch eine Chance hat, die Notbremse zu ziehen. Klimagerechtigkeit bedeutet, Ungerechtigkeiten zu überwinden, die dazu führen, dass einige Menschen von der Klimakrise sogar profitieren, während andere viel stärker unter ihren Folgen leiden.
Solche Ungerechtigkeiten halten uns auch im Kampf für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels zurück, wie wir in Teil I unserer Artikelreihe erklären: Dazu zählen ungerechte globale Machtverhältnisse, siehe Teil II und Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus und soziale Ungerechtigkeit – Mehr dazu in Teil III.

Wie wir mit Gerechtigkeitsfragen umgehen, entscheidet über die Welt, in der die heutige junge Generation, in der unsere Kinder und Kindeskinder zukünftig leben werden.

Klimagerechtigkeit bedeutet Generationengerechtigkeit

Laut einer Studie des World Economic Forums von 2017 ist der Klimawandel weltweit eine der größten Sorgen Jugendlicher – noch vor Terrorismus, Krieg, Armut und Arbeitslosigkeit.
Diese elementare Sorge um unser aller Zukunft ist berechtigt, denn eine UN-Studie zeigt: Die Klimakrise ist eine unmittelbare Bedrohung für alle Kinder auf der Welt, kein Land der Welt schützt seine Kinder ausreichend. Die Expert*innen warnen, dass die Klimakrise zu zusätzlichen Gesundheitsgefahren wie tödlichen Hitzewellen und der vermehrten Ausbreitung von Tropenkrankheiten führe, was die Gesundheitslage der Kinder und ihre Zukunft zusätzlich belaste. Deshalb riefen die Wissenschaftler*innen die Weltgemeinschaft auf, die Reduzierung der CO2-Emissionen mit höchster Dringlichkeit anzugehen. „Die Entscheidungsträger der Welt lassen die Kinder und Jugendlichen von heute im Stich: Sie versagen beim Schutz ihrer Gesundheit, beim Schutz ihrer Rechte und beim Schutz ihres Planeten“, sagt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Die Klimakrise ist eine globale, umfassende Menschenrechtskrise. Sie schränkt das Recht auf Gesundheit ein. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge könnten ab 2030 jährlich 250.000 Menschen durch Folgen des Klimawandels wie eine stärkere Verbreitung von Malaria, Mangelernährung oder Hitzestress sterben. Die Klimakrise nimmt uns Lebensgrundlagen wie den Zugang zu sauberem Wasser. Bereits jetzt leben 3,6 Milliarden Menschen, also fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten, in denen mindestens einen Monat pro Jahr Wasserknappheit herrscht, in 30 Jahren könnten es 5,7 Milliarden Menschen sein.

Die Klimakrise nimmt uns das Recht auf Zuhause und Sicherheit, schwächt Demokratien und verstärkt schon vorhandene Fluchtursachen wie Ressourcenkonflikte. Allein 2017 wurden 18,8 Mio. Menschen aufgrund von Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen. Dennoch behauptete unsere Bundesregierung noch Anfang dieses Jahres, der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Flucht sei „bislang nur unzureichend untersucht“ und daher nicht als Asylgrund anzuerkennen.
Wenn wir von der Klimakrise sprechen, müssen wir immer wieder bewusst machen: Es geht um unsere Menschenrechte, darum, ob und wie wir auf diesem Planeten zusammen leben wollen.

Für Klimagerechtigkeit streiten, bedeutet daher auch vor allem eins: dafür einstehen, dass eine bessere Zukunft möglich ist.

Klimagerechtigkeit bedeutet eine gerechtere Gesellschaft

Um eine klimagerechte Zukunft zu schaffen, müssen wir endlich anfangen, denen zuzuhören, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind und ihre Forderungen ernst zu nehmen: Kindern und Jugendlichen, Menschen aus dem globalen Süden, Frauen und Mädchen und ärmeren Menschen.

Menschen im globalen Süden spüren die Folgen der Klimakrise am stärksten. Trotzdem finden ihre Stimmen kaum Eingang in die Klimapolitik. Klimaaktivistin und Taifun Überlebende Marinel Ubaldo, die auf mehreren Klimakonferenzen gesprochen hat, sagte einmal, ihr komme es vor, als werde sie als Klimaaktivistin von den Philippinen nur eingeladen, um eine traurige Geschichte eines „Opfers der Klimakrise“ zu hören – ernst genommen fühle sie sich nicht.

Das muss sich ändern. Wir als Weltöffentlichkeit müssen Menschen wie Marinel, Klimaaktivist*innen aus dem globalen Süden, die im Kampf für Klimagerechtigkeit ganz vorne stehen, mehr Aufmerksamkeit schenken und wir müssen von unseren politischen Entscheidungsträger*innen einfordern, dass ihre Forderungen umgesetzt werden. Wir müssen bereit sein, zuzuhören und zu lernen, beispielsweise von der indigenen Bevölkerung im Amazonas zur Wahrung der Artenvielfalt und nachhaltiger Nutzung der Wälder.

Wie sähen die internationalen Klimaverhandlungen aus, wenn die Stimmen von Menschen aus dem globalen Süden besser berücksichtigt würden?

Die Frage, ob wir 1,5 Grad überhaupt einhalten wollen, gäbe es nicht. Bei allen ergriffenen Maßnahmen würden Menschenrechte berücksichtigt werden. Staaten würden nicht mehr bedenkenlos ihre eigenen CO2-Reduktionsziele übertreten, sondern sich gegenseitig verantwortlich halten und es gäbe Sanktionen für Staaten, die zu viel CO2 emittieren. Die Verursacherstaaten würden Länder des globalen Südens wirklich bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels solidarisch unterstützen – das bedeutet auch, Gelder bereitzustellen, die tatsächlich den Kosten entsprechen, die Ländern des globalen Südens durch die Folgen der Klimakrise entstehen. Die Rechte indigener Menschen würden gestärkt und sie würden als die Schützer*innen des Regenwalds geehrt und um Rat gefragt. Handelsabkommen, die Landraub bei indigener Bevölkerung ermöglichten, würden nicht zustande kommen, noch nicht einmal in Betracht gezogen werden.

Wir alle müssen gemeinsam immer wieder fordern, dass die betroffenen Menschen gehört und miteinbezogen werden.

Kinder und Jugendliche werden ihr ganzes Leben lang von den Entscheidungen, die heute für oder gegen Klimaschutz getroffen werden, betroffen sein. Trotzdem dürfen sie nicht wählen, wer in der nächsten Legislaturperiode die Macht erhält, solche Entscheidungen zu treffen. Wie beispielsweise sähe eine Stadt aus, wenn Kinder und Jugendliche mitentscheiden dürften, wie sie geplant wird, wenn die Bedürfnisse ärmerer Menschen berücksichtigt werden, wenn Klimaneutralität an der Tagesordnung stände?

Vermutlich wäre es eine Stadt mit einer autofreien Innenstadt – um die Sicherheit zu erhöhen und das Klima zu schützen. Ein starker, zuverlässiger und eng getakteter öffentlicher Nahverkehr, der sozial gerecht finanziert wird und den sich alle leisten können. Viele Grünflächen und Schattenplätze, um die Auswirkungen von Hitzesommern auszugleichen. Ohne den ständigen Straßenverkehr ist Platz für Orte der Begegnung, für Spielplätze, Teiche, Orte für Kunst und Musik. Fahrradfahrer*innen, Rollstuhlfahrer*innen, Fußgänger*innen – alle können sich in ihrem Tempo mit ausreichend Platz sicher bewegen.
Da die Energie der Stadt aus erneuerbaren Energien gewonnen wird und die Stadtbewohner*innen keine Autos mehr brauchen, ist die Luftqualität und die Lärmbelastung wesentlich besser. Gesundheitsversorgung ist für alle gut zugänglich. Das große Naturschutzgebiet im Stadtumland ist leicht zu erreichbar und dient der Erholung. Wohnraum wird nachhaltig gebaut und es wird darauf geachtet, gute Wohnungen zu einem sozial gerechten Preis zu vergeben – Solarpanels auf dem Dach und Fassadenbegrünungen sind mittlerweile Standard. Durch Städtepartnerschaften mit anderen Ländern lernen die Bewohner*innen mehr über die Lebenssituationen anderer rund um die Welt und die Städte helfen sich gegenseitig bei der Reduzierung von CO2-Emissionen und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Also worauf warten wir?

Soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und ungerechte Machtverhältnisse zu überwinden, ist für uns alle gut. Denn der Klimawandel und seine Folgen treffen uns alle – und gemeinsam sind wir stärker. Die Klimakrise betrifft die ganze Menschheit und ist die größte Herausforderung der Welt – wir haben keine Zeit dafür, uns durch Vorurteile, Profitgier und Angst vor Machtverlust spalten zu lassen. Gemeinsam können wir viel verändern und eine gerechtere Zukunft für uns und alle kommenden Generationen schaffen. Es beginnt mit uns. Hier und jetzt. Daher: wir sehen uns am 25. September auf den Straßen!

2 Kommentare zu „Zeit für Klimagerechtigkeit #KeinGradWeiter – Teil IV: Eine gerechtere Zukunft

  1. Die aktuellen Politiker zerstören unwiderruflich unseren Planeten! Sie wollen nichts vom Klimawandel hören.
    Sie gehen in die Geschichte unserer kurzen Zukunft ein.
    Es geht ihnen gut damit.
    Wer braucht Politiker, die sich ihrer Verantwortung nicht bewusst sind ?
    Austauschen, Neuwahlen, Chaos, Untergang ?
    „Vielen Dank!“

  2. hallo,

    vorangestellt moechte ich euch der jugend, die sich hier zusammengefunden hat, danken. ihr alle zeigt, das jugend nicht ignorant gegenueber der wahrheit steht, sondern begriffen hat, das der klimawandel als realitaet schon seit 50 jahren stark beschleunigt vorranschreitet und politisch jahrzehnte verleugnet, wirtschaftlich oft ausgebeutet & ausgenutzt und schamlos, bar jeder vernuft jahrzehntelang weiterbetrieben wurde.
    nun seit 20 jahren mit so kleinen eingestaendnissen gegenueber der umwelt & gesundheit kamen wie zb das pariser abkommen zustande, das bei allem respekt wenigste was notwendig gewesen waehre nur zu 10% und selbst da wird vertragsbruch begangen.
    seit eurem streik fuer eine bessere zukunft, wurde das tempo kaum gesteigert aber ihr bleibt beharlich und habt die ökologische aufmerksamkeit enorm gesteigert und steht fuer ein grosses, wichtiges ziel ein entscheidender grundbaustein des fortbestehen selbst NATUR – UMWELT – LEBEN.

    bleibt kreaktiv in euren aktionen und schafft ein denkmal an dem niemand, wirklich niemand vorbeikommt ohne weiterhin den klimawandel leugnen zu koennen. ihr seit knapp 11 mio schüler – nur in deutschalnd – einen tag alle in einem boot mit einer aktion kann alles erreichen.

    ein wort an all jene, die glauben hier und anderswo unerkannt wüste beschimpfungen, beleidigungen, bedrohungen gegenueber den hier freiwillig, selbstlos, zukunftgestaltenden FridayForFuture schülern und studenten und allen anderen helfern zu aeussern;
    ihr seit nicht unbekannt, nicht anonym, ihr seit weder stark noch vertreter fuer irgend etwas. soviel angst wie ihr habt, so klein zu sein wie ihr es seit, erzeugt letztendlich nur unwichtiges mitleid fuer kleinkindliches gebruell an der ladenkasse nach suessigkeiten.

    dank und respekt an euch, eure arbeit eure muehe

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