Back to Paris oder mit Vollgas in die Krise? Wochen 3&4

In den letzten zwei Wochen ist so einiges passiert – Lara hat es für euch zusammengefasst. Der Weltrisikobericht zeigt deutlich auf, dass unsere Zukunft maßgeblich durch die voranschreitende Klimakrise bestimmt werden wird, außerdem hat der neue US Präsident an seinem ersten Amtstag, eine fürs Klima bedeutende Entscheidung getroffen und vieles mehr!

🇺🇸 Welcome back! – Wiedereintritt der USA in das Pariser Klimaabkommen

Am 20.01. wurden Joe Biden und Kamala Harris als neuer Präsident bzw. Vizepräsidentin der USA eingesetzt. Eine der ersten Amtshandlungen Bidens war der Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen. Der vorherige US-Präsident Donald Trump – der wissenschaftliche Fakten zur Klimakrise schlichtweg leugnete – war zuvor aus dem Abkommen ausgetreten. Während seiner Amtszeit stiegen die Emissionen der USA im Gebäudesektor, Verkehr und der Industrie – nur im Energiesektor konnte er zum Glück nicht mehr verhindern, dass Kohle sich immer weniger lohnt. Nun hat der neue US-Präsident Biden also viel aufzuholen: Zwar sind die USA mit  der Unterzeichnung des Dekrets durch den Präsidenten innerhalb von 30 Tagen wieder offizielles Mitglied des Paris-Abkommens, um aber auch wirklich vollwertiges Mitglied zu sein, muss die US-Regierung spätestens einen Monat vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow im November 2021 einen neuen CO2-Minderungsplan einreichen. Die USA stoßen nach China weltweit die meisten Treibhausgase aus und ihre Pro-Kopf-Emissionen übersteigen auch die Chinas bei weitem. Um eine 1,5°C-konforme Politik zu machen, müssen die Emissionen bis 2030 drastisch sinken. Biden hat bereits angekündigt, 2 Billionen Dollar innerhalb von vier Jahren für saubere Energie und Umweltgerechtigkeit auszugeben und will unter anderem den Stromsektor bis 2035 CO2-frei machen. Dadurch dass die Demokratische Partei die Mehrheit in sowohl Kongress als auch Senat innehat, sind die Chancen des Projektes gewachsen . Doch Bidens Plan, bis 2050 klimaneutral zu sein, ist nicht ausreichend, es müssen jetzt schnell Taten folgen und Emissionen drastisch reduziert werden. Das schreiben auch zwölf Klima-Aktivist:innen aus der ganzen Welt, die sich in einem offenen Brief an die neue US-Regierung gewandt haben. Sie fordern, sich an wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten, das heißt jetzt schnell und effektiv Emissionen einzusparen und Klimagerechtigkeit umzusetzen, das heißt die Rechte der Menschen aus dem Globalen Süden zu achten und Ausbeutung zu stoppen. Den Brief könnt ihr hier lesen (in Englisch): https://news.trust.org/item/20210120104010-143ir

😮 Erdgas-Pipeline, Fake-Umweltstiftung und  verschleppte Energiewende – #MitVollgasInDieKrise

Die Ergas Pipeline Nordstream II ist schon seit langem umstritten. Die Pipeline soll Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren. Die Kritikpunkte daran sind vielfältig: So stimmte aktuell beispielsweise das EU-Parlament für den Stopp des Pipeline-Baus, da der bekannte Oppositionspolitiker Nawalny aktuell in Russland inhaftiert wurde, nachdem er aus Deutschland zurückkehrte, wo er sich von einem Giftanschlag erholt hatte . Auch umwelt- und klimapolitisch ist die Pipeline ein Desaster. Nicht nur gefährdet die Pipeline die Winterquartiere von Seetauchern und Meeresenten in der Ostsee – bei der Förderung, Transport und Nutzung von Erdgas entstehen auch Methan-Emissionen. Methan ist ein Treibhausgas wie auch CO2, heizt aber die Erderwärmung ca. 25 mal so stark an. Das macht eindeutig, warum der fossile Energieträger Erdgas keine Brückentechnologie in der Energiewende ist. Dies zeigt auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW). Die von der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern gegründete „Klimastiftung MV“, die den Pipeline-Ausbau fördern will, hat dementsprechend mit Klimaschutz wenig zu tun. Statt weiterhin auf fossile und klimaschädliche Energieträger zu setzen, um den Energiebedarf in Deutschland zu decken, müssen erneuerbare Energien stärker gefördert werden. Unter anderem in Rostock, Heidelberg, Hannover, Berlin, Lubmin, Warnemünde, Schwerin, Zug und Freiburg gingen deshalb Aktivisti unter Beachtung der aktuellen Corona-Vorschriften auf die Straße, organisierten Banner-Drops und andere kreative Organisationen um gegen die Pipeline zu protestieren und auch im Netz waren wir unter dem Hashtag #MitVollgasInDieKrise für eine wirkliche Energiewende laut. Doch trotz aller Kritik und Proteste wird die Pipeline im Moment weitergebaut.

❗️ Die Klimakrise ist die aktuell weltweit größte Gefahr – sagt der Weltrisikobericht

Für alle, die sich den Ausmaßen der Klimakrise immer noch nicht bewusst sind, hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) es nun nochmal schriftlich vorgelegt: Die Klimakrise, die daraus entstehenden Extremwettereignisse, die Umweltschäden und das Versagen in der Einhaltung des 1,5°C-Limits sind laut dem aktuellen Weltrisikobericht die größten Risiken weltweit. Das Forum und seine Partnerorganisationen betonen, dass beim Wiederaufbau von Gesellschaft und Wirtschaft Klimaschutz zwingend berücksichtigt werden muss. Die Geschäftsführerin des WEF rief dazu auf, neue wirtschaftliche und soziale Systeme zu gestalten, die die kollektive Wiederstandsfähigkeit verbessern und gesellschaftliche Spannung zu bekämpfen. Die Forderung nach System Change also nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf TOP-Management-Ebene des Weltwirtschaftsforum? Wie ernst das gemeint ist und ob die weltweite Politik- und Wirtschaftselite das Risiko endlich ernst nehmen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen: Ab dem 25.01 treffen sich Staats- und Regierungschef:innen und Unternehmenschef:innen digital, statt wie sonst in Davos. Eingeladen ist auch Greta Thunberg, die in der Vergangenheit wiederholt aufrüttelnde Worte an die Teilnehmer:innen des Weltwirtschaftsforums gerichtet hat.

📉Größte jemals durchgeführte Studie zur Klimakrise: Nur 10% der Befragten glauben, dass politische Entscheidungsträger:innen genug tun 

Die größte jemals durchgeführte Studie zu Einstellungen der Menschen gegenüber die Klimakrise  „People’s Climate Vote“ befragte 1,2 Mio. Menschen in 50 Ländern, indem sie Handy-Spiele nutzten, um die Menschen zu erreichen und zu befragen. Das Ergebnis: Von den Befragten war die klare Mehrheit, 64%, der Meinung, dass die Klimakrise ein Notfall ist – und nur 10% dachten, dass die politischen Entscheidungsträger:innen weltweit genug gegen die Krise tun. Cassie Flynn, Strategic Adviser bei dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, die diese Umfrage gemeinsam mit der Universität in Oxford durchgeführt haben, sagte zu den Ergebnissen der Studie: „Zunehmend mehr Menschen sagen auch während der Pandemie: ‚Der Klimawandel ist ein Notfall und hier ist, wie wir ihn lösen wollen'“. Die Mehrheit der Befragten  aus der ganzen Welt war der Meinung, dass die Erhaltung von Wäldern und Land (54%), erneuerbare Energien (53%) klimafreundliche Landwirtschaft (52%) und mehr Investitionen in grüne Unternehmen und Jobs (50%) nötig seien, um die Klimakrise zu stoppen. Flynn weiter: „Die Menschen wollen, dass ihre Stimme gehört wird, auch wenn sie im Moment Angst haben und es so viel Instabilität gibt. Sie haben dennoch Ideen, wie wir aus dieser Krise herauskommen können. Politiker:innen und weltweite Entscheidungsträger:innen müssen zuhören!“

💶Studie zeigt: Deutschland schummelt bei der Klimafinanzierung

Die Länder, die historisch am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, sind aktuell diejenigen, die am stärksten von den Konsequenzen der Krise betroffen sind. Wiederaufbauarbeiten nach Extremwetterereignissen, Versorgung der Bevölkerung in Dürrezeiten etc. bedeuten dabei auch eine finanzielle Belastung für die Länder des Globalen Südens. Laut Brot für die Welt müssen die Länder des Globalen Südens ab 2020 ca. 150 Milliarden US-Dollar für Finanzierung jährlich für Anpassungsmaßnahmen ausgeben, ab 2030 könnten es sogar 300 Milliarden US-Dollar sein. In einem Schuldenreport warnten Miseror und „Erlassjahr“ Anfang 2020, dass Länder des Globalen Südens, insbesondere kleine Inselstaaten im Pazifik und der Karibik und Staaten in der Sahelzone, sich daher hoch verschulden müssen, um mit den Folgen der Klimakrise – die sie nicht verursacht haben – umzugehen. Das ist nicht gerecht. Daher fordern die Länder des Globalen Südens regelmäßig auf den internationalen Klimagipfeln Kompensationen für Verlust und Schäden. 2009 versprachen die Industriestaaten, die die Verantwortung für die Klimakrise tragen, jährlich 100 Milliarden US-$ für Klimafinanzierung auszugeben. Diese Klimafinanzierung soll den am stärksten betroffenen Ländern helfen, sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft zu vollziehen. Doch nicht nur ist die Summe angesichts der tatsächlich entstehenden Schäden und finanziellen Belastung zu gering – die Industriestaaten versuchen auch alles mögliche, um sich um die Zahlungen zu drücken. So wird bespielsweise Geld, das bereits jetzt für Entwicklungszusammenarbeitsprojekte ausgegeben wird, in die 100 Milliarden US-$ eingerechnet – bei den betroffenen Staaten kommt dadurch jedoch nicht mehr an. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass Deutschland fast die Hälfte der Klimafinanzierungszahlungen (44%) in Form von Krediten ausgibt – ein zynischer Gedanke, angesichts der Tatsache, dass die Länder des Globalen Südens diese Kosten überhaupt erst auf sich nehmen müssen, weil Länder wie Deutschland und die USA über Jahrzehnte hinweg ihren Wohlstand angehäuft haben, indem sie die Klimakrise angeheitzt haben. 

❓ Das K in CDU steht für Klimaschutz – Armin Laschet wird CDU-Vorsitzender

Die CDU hat einen neuen Parteivorsitzenden gewählt. Armin Laschet setzte sich gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen durch. Diese Wahl ist wichtig, zum einen aufgrund des Einfluss des Parteivorsitzenden auf die Partei, zum anderen, weil in der Vergangenheit der Parteivorsitz auch oft mit der Kanzler:innen-Kandidatur einherging. Klimapolitisch hatte keiner der drei Kandidaten viel zu bieten. Als amtierender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zeigt sich bei Armin Laschet konkret in der Praxis, dass er die Sorgen der Menschen, die aufgrund der Klimakrise Angst um ihre Zukunft haben und derjenigen, die schon jetzt aufgrund verfehlter Energiepolitik ihr Zuhause zugunsten von Koheltagebau verlieren, auf die leichte Schulter nimmt. Laschet mahnt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, es mit dem Klimaschutz doch bitte nicht zu übertreiben und bremst den Kohleausstieg in NRW aktiv aus . Unter seiner Regierung wurde der Hambacher Forst für den Kohleabbau trotz massiver Proteste in großen Teilen gerodet und zahlreiche Dörfer zerstört, wie aktuell beispielsweise Lüzerath. Außerdem wurde mit Datteln IV ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb genommen, trotz  Menschenrechts- und Umweltbedenken. In dem Zukunftspapier, das Laschet und Spahn kürzlich vorlegten, kam das Wort „Klima“ nur ein einziges Mal vor – als es um gutes „Klima“ für „Unternehmergeist“ ging. Es lässt sich also bezweiflen, ob die CDU und ihr neuer Parteivorsitzender für die Zukunftsaufgabe Klimaschutz aktuell gewappnet sind. Dementsprechend protestierten wir am Tag der Wahl auch in mehreren Städten u.a. vor den Büros der drei Kandidaten.

🏘Lützerath zerstört – Pödelwitz bleibt

Nur zwei Tage nach der Wahl Armin Laschets wurde in NRW, wo er als Ministerpräsident regiert, das Dorf Lüzerath abgerissen – trotz Protesten von Anwohner:innen und Klimaschützer:innen. Zuletzt hatte eine Studie gezeigt, dass fünf der der Dörfer im rheinischen Braunkohlegebiet gerettet hätten werden können, da die Kohle, die in ihrem Boden steckt, nicht für den Betrieb des Kohelkraftwerks Garzweiler II benötigt wird. Doch die fünf Dörfer, Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Beverath, wurden der Zerstörung preisgegeben und die Hälfte der Anwohner:innen bereits umgesiedelt. Auch wenn Lüzerath nicht zu den in der Studie erwähnten Dörfern gehört, ist klar: Kein Mensch sollte mehr sein Zuhause verlieren für einen viel zu verspäteten Kohleausstieg, der die Klimakrise anheizt. 
Anderorten konnte unterdessen ein Erfolg errungen werden: Nach zahlreichen Protesten hat die sächsiche Regierung schon im Koalitionsvertrag 2019 zugesichert, das Dorf Pödelwitz nicht wegbaggern lassen zu wollen. Nun ist es auch amtlich: Pödelwitz bleibt! Andere Dörfer sowohl in der Lausitz, als auch im rheinischen Braunkohlegebiet sind jedoch weiterhin bedroht. Daher werden wir uns auch 2021 weiterhin dafür einsetzen, dass alle Dörfer bleiben.

⛺️ Klimacamp Augsburg ist weiterhin im Widerstand und auch medial vertreten! 
Das Klimacamp Augsburg ist das am längsten und am häufigsten medial vertretende Klimacamp in Deutschland. Es existiert bereits seit dem 1.7.2020 und zählt seit dem heutigen Tag (30.1.21) 214 Tage durchgehenden Widerstands gegen die Klimakrise. Nun haben es die Ausburger:innen mit Vorstellung des Klimacamps in die Tagesthemen geschafft. Schaut rein! – Hier die ganze Folge!

Ein Dorf bleibt standhaft, während das Stadtleben immer heißer wird! Woche 1&2

In unserem ersten Wochenbericht des Jahres 2021, fassen Sophia und Nikah euch die wichtigsten klimarelevanten Ereignisse der letzten zwei Wochen zusammen. Sie bechreiben, wie ein Dorf standhaft bleibt, warum das Stadtleben immer heißer wird und vieles mehr.

🏡 Das Dorf der Unbeugsamen

Letztes Jahr gab es noch Großdemos, Ende Gelände Aktionen und seitdem existiert auch die Dauermahnwache. Die Rede ist von Lützerath, einem Dorf direkt am Tagebau Garzweiler II. Das Dorf soll dem Tagebau weichen, der Großteil der ursprünglich 100 Bewohner wurde schon umgesiedelt. Als letztes Jahr dann die L277 von RWE aufgerissen wurde, war der Aufschrei nicht nur bei Alle Dörfer bleiben groß. Jetzt soll das Dorf den Baggern von RWE weichen. Die haben allerdings mal wieder nicht mit Widerstand gerechnet: Aktivisti vor Ort besetzten an Tag X, dem 05.01.2021, zu fünft ein Haus. Alle Aktivisti wurden auf Antrag von RWE von der Polizei geräumt und kassierten natürlich Anzeigen. Doch das hält dort niemenschen auf, der Widerstand geht weiter! Immer aktuell informiert werdet ihr auf dem Twitteraccount von Lützi Bleibt: twitter.com/LuetziBleibt. 

🛰Satellitenbilder zeigen Regenwaldzerstörung

Dass 43 Millionen Hektar Amazonas Regenwald einfach vollends zerstört wurden und die Zerstörung weiter voranschreitet, ist ungeheuerlich. Noch ungeheuerlicher ist, dass diese immens große Zerstörung nun auch auf Satellitendaten sichtbar ist, die Satelliten uns senden. Diese massive Zerstörung ist aus dem All erkennbar! Diese Daten wurden in 27 Gebieten zwischen 2004 – 2017 gemessen. Die am stärksten betroffenen Länder sind um den Amazonas, also z. B Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien etc. Bolsonaro treibt seit seinem Amtseintritt ab 2019 die Regenwaldzerstörung gezielt an und nimmt der indigenen Bevölkerung immer mehr Rechte weg und bringt sie gezielt um.Nur als Vergleich: 33.5 Millionen Hektar beträgt die Fläche von ganz Deutschland! 

🔥Brände in Australien schwelen weiter

Anfang 2020 brannten immens große Gebiete in Australien ab. Die Bilder von den Bränden gingen um die Welt. Zurzeit bedrohen Buschbrände die Vororte der Millionenstadt Perth seit Samstag letzter Woche. Rund 230 Hektar wurden verbrannt, die Brände rund um Perth sind nicht gelöscht und lodern weiter. Diese Brände sind brennend gefährlich! Etwa 60 Menschen mussten um ihr Leben fliehen und wurden vorerst in Notunterkünften untergebracht. Als ob das noch nicht genug wäre, brannte vor Wochen die Hälfte einer Insel östlich von Australien ab. 

🥵Heiß, heißer, Stadtleben

Ein amerikanisch-kanadisches Wissenschaftsteam hat sich mit den Folgen der kommenden Erdwärmung speziell für Städte auseinandergesetzt. Ihren Berechnungen zufolge wird es in Städten um 1,9 bis 4,4 Grad heißer sein als in der ländlichen Umgebung. Was erstmal icht dramatisch klingt, wird schlimer je höher die Umgebungstemperatur steigt: Bei 40 Grad im Schatten machen knappe zwei Grad mehr einiges aus. Verheerende Folge hat das besonders für alte, kranke und sehr junge Menschen. Deren Körper können mit extremer Hitze noch schlechter umgehen als gesunde Menschen, was einen tödlichen Ausgang haben kann. Die Reaktion unter Anderem der Bundesregierung sind Maßnahmen, um die Städte herunterzukühlen, zum Beispiel mit der immer wieder gerne genutzten Begrünung und Entsiedelung von innerstädtischen Flächen. Was wirklich notwendig wäre, ist ein radikales Umdenken in Politik und Gesellschaft. Es ist noch nicht zu spät für 1,5 Grad! Doch dafür müssen wir handeln. Das Schlimmste an der Studie sind nämlich nicht die Zahlen, sondern dass die Wissenschaftler*innen nicht einmal mehr mit einem Ausgang der Erwärmung unter zwei Grad rechnen.Studie zu Klimawandel in den Städten: Noch heißer als die Umgebung

📄Leag bekommt Studienauftrag zur Braunkohlerenaturierung

Das Umweltbundesamt hat die dringend notwendige Studie zum Wasserhaushalt in der Lausitz und die damit verbundenen Renaturierungsmaßnahmen für stillgelegte Tagebaue ausgerechnet an eine Leag-Tochter vergeben. Wie der Spiegel vorsichtig formuliert, äußern „Kritiker“ Bedenken an der Unbefangenheit der Tochterfirma. Für uns ist klar, dass diese Studie nicht einmal ansatzweise objektiv sein kann. 400.000 Euro bekommt die GmB GmbH dafür, rauszufinden, welche Anteile der Renaturierung Leag zahlt – und welche der Staat. Aktuell gibt es keine andere Möglichkeit, als die durch den Braunkohleabbau entstandenen Löcher mit Wasser zu füllen. So ist in der Lausitz die größte von Menschenhand erschaffene Seenplatte entstanden. Das Problem dabei? Die Region leidet schon jetzt seit Jahren unter Wasserknappheit. Wo das Wasser für die Befüllung der riesige Kraterlandschaft herkommen soll, weiß keiner. Ob durch den Braunkohleabbau oder den Klimawandel, Fakt ist, das Trinkwassermangel in der Region Auswirkungen bis zum 200km entfernten Berlin haben kann. Hinzu kommt, dass in großen Seen im Sommer große Mengen Wasser verdunsten, die nicht wieder nachregnen. Anstatt also weiterhin die Zerstörung mit Wasser abzudecken, ein Konzept, dass schon jetzt beim Ostsee versagt, wird es dringend Zeit, sich nach Alternativen der Renaturierung umzusehen. Es könnte natürlich auch helfen, die Landschaft nicht bis 2038 weiter abzubaggern, aber wir sind ja keine Experten. 

🌳Hambi brennt

Auch vor dem Hambi machten Brände nicht halt. Montagabend, am 11.01.2021, brannte das Baumhaus einer besetzenden Person.Sie erlitt schwerste Verletzungen und wird in einem Krankenhaus behandelt. Zurzeit ist die Ursache des Brandes noch nicht geklärt, wir hoffen das Beste für die verletzte Person.Die Löscharbeiten waren aufgrund der von der Besetzung errichteten Barrikaden schwierig, trotzdem gelang es den Feuerwehrmenschen ein Übergreifen des Brandes auf andere Bäume und Baumhäuser zu verhindern. Auch im Angesicht von Katastrophen bleibt unsere Devise: Hambi bleibt! 

#FightForOnePointFive – Woche 48/49

Hinter uns liegen ereignisreiche Wochen: Das Pariser Klimaabkommen wurde fünf Jahre alt und weltweit haben wir corona-konform ein Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Ziels gesetzt. Das ist dringend nötig, denn die Klimakrise ist jetzt schon zu spüren und mit jedem Zehntelgrad Erderwärmung steigen auch die negativen Folgen – beispielsweise für unsere Gesundheit, wie eine aktuelle internationale Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es noch viel Nachbesserungsbedarf bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise bei der europäischen Agrarpolitik (GAP) oder beim Kohleausstieg in Deutschland. Mehr dazu lest ihr in unserem aktuellen Wochenbericht.

Fight for One Point Five – Weltweiter corona-konformer Protest und ein Versprechen

Am Freitag, den 11.12 wurde das Pariser Klimaabkommen 5 Jahre alt – und mit weltweit mehr als 3.400 Aktionen online und offline haben wir ein deutliches und corona-konformes Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Limits gesetzt. So hat zum Beispiel unsere Ortsgruppe in Berlin die Botschaft „Fight for 1,5°C“ zum Leuchten gebracht, in Köln gab es einen Banner-Drop und eine Demo mit Abstand und Maske, in Heidelberg gab es eine Lichtinstallation am Heidelberger Schloss und überall in Deutschland gab es viele weitere coole Aktionen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wurde gestreikt, in insgesamt 1934 Städten in 147 Ländern von Chania in Griechenland bis Kampala in Uganda. Gemeinsam haben wir ein klares Zeichen an die Entscheidungsträger*innen gesandt: Wir brauchen jetzt entschlossenes Handeln für Klimagerechtigkeit! Die Zeit der leeren Worte ist vorbei. 

Denn schon jetzt spüren wir die Folgen der Klimakrise: Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen – mehr dazu lest ihr in unserem Sonderbericht zu fünf Jahren Paris: https://fridaysforfuture.de/5-jahre-paris-kein-grund-zu-feiern/

Jedes Zehntelgrad Erderwärmung zählt und hat Auswirkungen auf Menschenleben, das sagt auch der Sonderbericht 1,5°C des Weltklimarats. Deshalb haben über 6.950 Menschen und über 300 Gruppen aus 90 Ländern unser Versprechen unterzeichnet, gemeinsam für eine gerechtere und sichere Gegenwart und eine nachhaltige Zukunft für uns alle zu kämpfen. Bist du schon dabei? Wenn nicht dann kannst du hier unterzeichnen: https://fridaysforfuture.org/fightfor1point5/promise/

Nachschärfung der Klimaziele – 55% sind nicht genug

Fünf Jahre ist es her, seit die meisten Staaten weltweit das Pariser Abkommen unterzeichnet haben und damit versprochen haben, die Erderwärmung unter 2°C möglichst unter 1,5°C zu begrenzen. Bisher hat sich insbesondere im globalen Norden kaum ein Land wirklich gut bei der Umsetzung dieses Versprechens geschlagen. Im Pariser Abkommen ist vorgesehen, dass die Länder alle fünf Jahre ihre Ziele überprüfen und nachschärfen müssen. Das haben sie nun auch bei dem digitalen Gipfel getan: China will bis 2060 klimaneutral werden,  unter anderem Japan, Südkorea, Kanada, Neuseeland und Südafrika, ebenso wie Deutschland und die EU wollen bis 2050 klimaneutral werden. Laut Berechnungen des Climate Action Trackers würden die nachgeschärften Ziele, wenn sie denn umgesetzt würden, dazu reichen, um die Erderwärmung bis 2100 auf ca. 2,1°C im Vergleich zum vordindutriellen Niveau zu begrenzen. 
Wer sich bewusst macht, was 2°C Erderwärmung im Gegensatz zu 1,5°C bedeutet, weiß, dass wir aber hier nicht stoppen können: Wenn die Erde sich um 2°C erwärmt werden wir 99% aller Korallenriffe mit all ihrer wichtigen Bedeutung für das Ökosystem Meer verlieren. Es werden dreimal so viele Insektenarten aussterben, wie schon bei 1,5°C und damit unsere Ernährungssicherheit betroffen sein. Bei 2°C Erderwärmung werden wir in neun von zehn Jahren Hitzewellen wie im Sommer 2016 erleben mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen für alte und chronisch kranke Menschen und Kinder. Viele der pazifischen Inseln stehen bei 2°C unter Wasser, ihre Bewohner*innen verlieren ihr Zuhause.

Deshalb wollen und können wir uns nicht mit Zielen zufrieden geben, die nur für 2,1°C reichen, zumal bei vielen der jetzigen nachgeschärften Ziele die konkreten Pläne fehlen, wie diese umgesetzt werden. Deshalb werden wir uns auch nicht mit dem Ziel der EU, die Emissionen bis 2030 um 55% zu senken zufrieden geben. Denn dieses Ziel ist nicht mit dem 1,5°C Ziel vereinbar und pockert mit unserer Zukunft. Mehr dazu, warum 55% Emissionsreduktion zutiefst ungerecht und nicht zukunftsfähig ist findet ihr in unserem aktuellen Sonderbericht: https://fridaysforfuture.de/wie-uns-die-europaeische-union-zerstoererische-politik-als-pariskonform-verkauft/

Zugleich sind die Nachbesserungen beim digitalen Klimagipfel, wenn auch noch nicht ausreichend, ein gutes Zeichen: Denn es zeigt sich, dass unser Protest wirkt, kein Staat kann heute mehr begründen, nichts gegen die Klimakrise zu tun. Daher lasst uns gemeinsam weiterhin den Druck aufrecht halten und dafür sorgen, dass wirklicher Klimaschutz im Einklang mit dem 1,5°C Limit durchgesetzt wird! 

Offener Brief an die EU Komission: Gemeinsam für Klimagerechtigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft

Gemeinsam mit dem Bündnis junge Landwirtschaft, junges Bioland, dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft, dem jungen Netzwerk freier Bäcker und vielen mehr haben wir einen offenen Brief an Ursula von der Leyen, Frans Timmermans, Janusz Wojciechowski und Stella Kyriakides geschrieben. Denn die aktuelle europäischen Agrarpolitik führt zum Sterben landwirtschaftlicher Höfe, dem Verlust an Artenvielfalt und hohen Treibhausgasemissionen. Als junge Menschen aus der Landwirtschaft und entlang der Wertschöpfungskette von Nahrungsmitteln und als Aktivist*innen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung fordern wir zusammen eine gemeinsame europäische Agrarpolitik, die den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird. Den gesamten offenen Brief könnt ihr hier nachlesen: https://fridaysforfuture.de/landwirtschaft/

Klimakrise macht krank

Eine Studie, die von 120 Wissenschaftler*innen aus 38 akademischen Institutionen sowie UN-Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank erarbeitet wurde, zeigt, dass die Klimakrise tiefgreifende Veränderung für unsere Gesundheit haben wird und bereit hat. Schon jetzt sind die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise auch in Deutschland deutlich zu spüren, zum Beispiel durch stärkere Hitzewellen und die Verschiebung der Pollenflugsaison, die Allergiker*innen Schwierigkeiten macht. Weltweit sind die hitzebedingten Todesfälle bei älteren Personen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast 54% gestiegen. Dazu kommen indirekte Folgen der Klimakrise, wie zum Beispiel die Gefahr von Verbrennungen und Rauchvergiftungen durch häufiger auftretende Waldbrände, Mangelernährung und Folgen von Wirbelstürmen. Die Autor*innen der Studie weisen auf die enorme globale Ungerechtigkeit hin: Während jedes Land von gesundheitlichen Folgen der Klimakrise betroffen ist, trifft es ganz besonders hart die Länder und Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und sich häufig am schlechtesten schützen können. Die Autor*innen schreiben: „Trotz dieser klaren und eskalierenden Anzeichen ist die globale Antwort auf den Klimawandel verhalten, und die nationalen Bemühungen bleiben weit hinter den im Pariser Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zurück.“ Deshalb müssen wir für unsere eigene Gesundheit und für Klimagerechtigkeit da drauf bestehen, dass jetzt endlich gehandelt wird, um das 1,5°C Ziel einzuhalten.

Rodungen im Danni beendet 

Über ein Jahr haben Aktivist*innen den Dannenröder Forst besetzt, um die Rodung für eine Autobahn zu verhindern. Nun wurden die Baumhäuser geräumt und der jahrhunderte-alte Wald ist den Rodungen zum Opfer gefallen. Wenn du mehr erfahren willst, wie das Leben im Danni vor der Rodung war, dann schau mal in unseren Gastartikel von Lene rein:  https://fridaysforfuture.de/ein-ort-an-dem-ich-gluecklich-und-hoffnungsvoll-bin-gastartikel-aus-dem-danni/

Auch wenn der Wald geräumt wurde, haben die Aktivist*innen und viele der Anwohner*innen klar gemacht: Rückwärtsgewandte Verkehrspolitik im Jahr 2020/2021 wird nicht einfach mehr nur so hingenommen. 

Deutschlands Kohleausstieg: „unambitioniert und überholt“

Die auf Datenanalyse und Kohlekraftwerke spezialisierte Nichtregierungsorganisation Ember hat Deutschland bescheinigt in seiner Strategie zum Kohleausstieg zu langsam zu sein und unnötig teuer. Ember hat für eine Studie die Wirtschaftlichkeit von Steinkohlewerken überprüft und kam zu dem Schluss, dass selbst „modernere“ Kraftwerksblöcke, wie Moorburg A und B von Vattenfall sowie Westfalen E von RWE, die erst nächstes Jahr stillgelegt werden sollen, seit 2019 Verluste machen, die sich durch die Corona-Pandemie noch verschlechtert haben. Marktbedingt sei der Kohleausstieg also schon im vollen Gange. Spätestens bei einem CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne, so der Think-Tank Agora Energiewende, seien Kohlekraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig. Dennoch wird in Deutschland an dem späteren Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle mit hohen Entschädigungszahlungen festgehalten, obwohl es Millionen von Steuergeldern kosten könnte und unsere Zukunft aufs Spiel setzt. 

Studie: Alle Parteien außer der sogenannten AfD würden von der Priorisierung von Klimaschutz profitieren

Eine repräsentative Studie der Open Society Foundation, die diesen August durchgeführt wurde zeigt: Mehr als die Hälfte der Befragten sagten, dass Klimapolitik eines der drei wichtigsten Anliegen der Bundesregierung sein sollte. 90% der Grünen-Wähler*innen, 45% der Wähler*innen der Unionsparteien und 57% der SPD-Wähler*innen geben an, die Klimapolitik zu ihrem Maßstab zu machen, welche Partei sie wählen wollen.  „Das kann natürlich gut oder schlecht für eine Partei sein“, sagt Leiter der Studie Jan Eichhorn. „In den meisten Fällen ist es aktuell eher schlecht.“ Der Auftrag an euch ist also klar, liebe Parteien – setzt den Wähler*innen-Willen um und legt endlich überzeugende Pläne für eine nachhaltige und gerechte Klimapolitik die im Einklang mit dem 1,5°C Ziel steht vor. Daran werden wir euch bei der Bundestagswahl messen. 

5 Jahre Paris – (K)ein Grund zu feiern

Vor fünf Jahren ereignete sich historisches: Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder in Paris die Klimakrise ernst zu nehmen und ihr entschlossen und geschlossen entgegenzutreten.

Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen. Ein Abkommen, das lange und zähe Verhandlungen benötigte, das zwischen Ländern, die besonders früh und stark unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden werden und den reichen Industriestaaten, die den größten Teil zur Entstehung der Klimakrise beitragen, vermittelt. Ein Abkommen, das unter hohem Druck der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung entstanden ist und, das bereits einen Kompromiss darstellt.

Das Pariser Abkommen formuliert das Ziel der Begrenzung des globalen mittleren Temperaturanstiegs auf deutlich unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten, bestenfalls solle der Anstieg auf unter 1,5 Grad begrenzt werden [1]. Deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad – schnell wird klar, dass diese Grenzen nicht willkürlich gewählt wurden. Ganz im Gegenteil: Die Grenzen sind darauf ausgelegt die Auswirkungen der Klimakrise weltweit in einem kontrollierbaren Rahmen zu halten, sie sind darauf ausgelegt das Eintreten von Klimakipppunkten zu vermeiden. Mit deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad wurde also ein Ziel gewählt, das abwägt zwischen weltweiter Umsetzbarkeit und einem Ausmaß der Klimakrise, welches unbedingt verhindert werden muss. Es wurde ein Kompromiss gewählt zwischen den reichen Industriestaaten und den Ländern, die schnell und stark unter der Klimakrise leiden werden. Dass dieser Kompromiss sinnvoll ist wurde auch im Nachhinein vielfach wissenschaftlich bestätigt. So veröffentlichten beispielsweiße 2016 Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf und Ricarda Winkelmann, Wissenschaftler*innen des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ein Paper mit dem Titel „Warum die richtigen Klimaziele in Paris beschlossen wurden“ [2]. Darin zeigen sie auf, dass das Überschreiten von 1,5 Grad um jedes weitere zehntel Grad zu unumkehrbaren Folgen führen könnte, Kipppunkte ausgelöst werden könnten und die Klimakrise nicht mehr zu kontrollieren sei. Bei 2 Grad sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Kippunkte überschritten werden.

Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder also wahrlich historisches. Historisches, das, wie bereits erwähnt, auch schon damals unter hohem Druck der Klimagerechtigkeitsbewegung entstand. So gab es beispielsweiße im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens etliche Aktionen. Allein am 28. und 29. Dezember 2015 waren weltweit 2.173 Veranstaltungen geplant [3]. Mit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens wurde also nicht nur von den 196 Ländern historisches geschaffen, sondern auch von der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung.

Ist der 12. Dezember also ein Grund zu feiern?

Um das zu beantworten darf man nicht nur den 12. Dezember 2015 betrachten. Stattdessen muss man sich auch anschauen, was sich seit 2015 getan hat. Schnell wird einem klar, dass sich effektiv sehr wenig getan hat. Zurzeit steuern wir auf eine circa 4 Grad heißere Welt zu, vom 1,5 Grad-Ziel sind wir weit entfernt. Auch Deutschlands Klimaziele reichen bei Weitem nicht für die Erfüllung des Pariser Abkommens und verfehlen dabei sogar die 2-Grad-Grenze, wie auch nochmal die 1,5-Grad-Studie des Wuppertal Instituts in Auftrag von Fridays For Future Deutschland zeigt [4]. Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt währenddessen, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen [5]. Schon heute leiden also vor allem die Länder, die 2015 auf ein ambitioniertes Pariser Klimaabkommen und die Festschreibung des 1,5-Grad-Ziels gedrängt haben, sehr stark unter den Folgen der Klimakrise.

Woran aber liegt es, dass das Pariser Klimaabkommen nicht umgesetzt wird?

Die internationale Klimagerechtigkeitsbewegung kämpft seit 2015 weiter für eine gerechte Klimapolitik. Derzeit kämpft sie in Deutschland unter anderem im Dannenröder Wald für eine Verkehrswende, sie verhinderte im April eine Abwrackprämie, kämpft für einen angemessenen Ausbau der erneuerbaren Energien und brachte am 20.09.2019 allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen [6]. Unterstützung fehlt jedoch aus der Politik. So weigern sich alle großen Parteien ein 1,5-Grad-kompatibles Parteiprogramm vorzulegen. Bislang hat noch keine Partei untersucht, wie man 1,5 Grad in Deutschland umsetzen könnte. Stattdessen wird gegen die Aktivist*innen im Dannenröder Wald vorgegangen, es wird ein unzureichendes Erneuerbaren-Energien-Gesetz vorgelegt, was den Ausbau der erneuerbaren Energien blockieren soll und es wird weiter an einer Klimapolitik festgehalten, die nicht mit dem Pariser Abkommen vereinbar ist.

Fünf Jahre nach dem Pariser Abkommen kämpft die Klimagerechtigkeitsbewegung also weiter, die Politik scheint sich aber nicht mehr an das Abkommen zu erinnern. Der 12. Dezember ist für die Klimagerechtigkeitsbewegung ein Grund zu feiern, ein Grund einmal Inne zu halten und sich selbst für alles erreichte zu loben. Für die Politik jedoch ist der 12. Dezember ein Tag zum Aufwachen. Ein Tag an dem es gilt endlich Mut zu fassen und Versäumtes aufzuholen.

Verweise

[1]United Nations, „Paris agreement,“ 2015. [Online]. Available: http://unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/english_paris_agreement.pdf. [Zugriff am 7 12 2020].
[2]S. R. R. W. Hans Joachim Schellnhuber, „Why the right climate target was agreed in Paris,“ Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung , 11 04 2016. [Online]. Available: http://www.pik-potsdam.de/~ricardaw/publications/schellnhuber_rahmstorf16.pdf. [Zugriff am 07 12 2020].
[3]wikipedia.org, „UN-Klimakonferenz in Paris 2015,“ [Online]. Available: https://de.m.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz_in_Paris_2015. [Zugriff am 07 12 2020].
[4]Wuppertal Institut, „CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze,“ Wuppertal, 2020.
[5]Zeit online, „Klimawandel und Extremwetter lösen immer mehr Naturkatastrophen aus,“ 17 11 2020. [Online]. Available: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-11/rotes-kreuz-studie-naturkatastrophen-klimawandel-extremwetter. [Zugriff am 07 12 2020].
[6]ZDF, „Rekordzahlen bei Klimademos – Wo die meisten Menschen auf die Straße gingen,“ 20 09 2019. [Online]. Available: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/fazit-fridays-for-future-und-beschluesse-klimakabinett-100.html. [Zugriff am 07 12 2020].

Der Danni, die Grünen und das Klima – Wochen 47/48

Ein Jahr 29.11, verheerende Rodungen im Danni und #BlockFriday – das und alle anderen Klimarelevanten Themen fassen euch Nikah und Nils in unserem Klimaupdate zusammen!

Klimakippunkte in Asien bereits erreicht?

In der Klimawissenschaft spielen sogenannte Kipppunkte eine große Rolle. Wenn ein Kipppunkt erst einmal erreicht ist, lässt sich die daraus folgende Entwicklung nicht mehr aufhalten. Nach diesem Prinzip ist das 1,5 Grad Ziel aufgebaut. Ziel ist es, keine Kipppunkte mit verheerenden Folgen zu erreichen. In Zentralasien scheint nun einer dieser nicht rückführbaren Kipppunkte erreicht zu sein.

Peng Zhang von der Universität Chonnam in Südkorea und von der Universität Göteborg in Schweden und seine Kollegen vermuten, dass Dürreperioden und Hitzewellen nun dauerhaft das Klima in Zentralasien prägen werden. Zu diesem Ergebnis sind sie durch die Analyse von Jahresringen von Lärchen, Fichten und Kiefern in der Region gekommen. Anhand von diesen konnten sie die sommerlichen Temperaturen und die Bodenfeuchtigkeit der letzten 260 Jahre rekonstruieren. Die Forscher sind auf zwei auffällige Entwicklungen in der Vergangenheit gestoßen. Hitzewellen im Sommer sind seit den 1990er Jahren häufiger und die Feuchtigkeit der Böden nimmt seit der Jahrtausendwende sehr stark ab. In den vergangenen 260 Jahren war die Bodenfeuchte nie so niedrig und genau diese Entwicklung könnte sich selbst verstärken: Die Bäume steigern die Trockenheit der Böden, da sie ihnen in trockenen Jahren weiterhin Wasser entziehen. Die Temperatur wiederum steigt mit zunehmender Bodentrockenheit. 

Die Forscher vermuten, dass dieser Kipppunkt, welcher Hitzewellen und Dürreperioden mit sich bringt, bereits überschritten ist. „Wenn man sicher sein will, dass ein Kipppunkt bereits überschritten ist, sollte man solche Kombinationen aus Hitzewellen und Dürreperioden allerdings viel länger als zwei Jahrzehnte beobachten“, gibt der Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zu bedenken.

In der Geschichte wurden schon verheerende Kipppunkte erreicht, was z.B. die Savanne, welche heute als Dauerwüste bekannt ist und früher mehrere Jahrtausende eine grüne Savannen-Landschaft war, deutlich macht. Ähnliche Rückkopplungen könnten in einigen Regionen im Osten und in der Mitte Deutschlands erfolgen. Jedoch würde die Entwicklung zu einem anderen Ergebnis führen – aus Waldland dürfte hier keine Wüste, sondern eher eine Savanne werden. 

Die Grünen und das Klima

Die Grünen haben sich auf ihrem Parteitag als erste Partei zum 1,5 Grad Ziel bekannt. Das heißt, dass ihre Politik im Rahmen des 1,5 Grad Ziels bleibt. Das ist ein super wichtiger Schritt, jedoch reicht das alleine natürlich nicht aus. Nun müssen die Grünen sowie jede andere Partei zeigen, dass auf Worte ernstgemeinte Taten folgen. Das 1,5 Grad Ziel sollte für jede Partei der Rahmen für alle politischen Entscheidungen sein, damit Deutschland das Pariser Klimaabkommen einhält.

Egal ob CDU/CSU oder Bündnis 90 die Grünen – alle müssen sich im ersten Schritt zum 1,5 Grad Ziel bekennen und dann dementsprechende Politik, welche eine soziale und ökologische Wende zur Folge hat, realisieren. Damit eine Chance bleibt, das Ziel zu erreichen, muss das innerhalb der nächsten Jahre passieren. 

Gespräche mit Timmermans zur GAP

In den letzten beiden Wochen gab es Tweetstorms, jede Menge Input auf Social Media und Gespräche – Anuna De Wever, Adélaïde Charlier, Greta Thunberg und Luisa Neubauer haben sich am 25.11.2020 mit Klimakommissar Frans Timmermans getroffen, um mit ihm über unsere Forderung, die GAP zu kippen, zu reden. Obwohl Timmermans einsieht und bereits angekündigt hat, die GAP in ihrer aktuellen Verfassung nicht durchwinken zu wollen, bestand er im Gespräch darauf, dass die GAP zu kippen nicht die Lösung ist. Von unserer Seite aus gibt es ein klares Nein zu seinem Ansatz. 

Warum es so wichtig ist, die GAP auch im letzten Verhandlungsstadium noch zurückzuziehen, ist vor allem die Art der Verteilung des Geldes. Laut Timmermans eigener Aussage gehen aktuell 80% des Geldes an nur 20% der Landwirte. Es ist klar, dass so kleinbäuerliche Biobetriebe untergehen – wie viele es schon getan haben. Wir haben nicht die Zeit, nochmal sieben Jahre lang Agrarfabriken und Massentierhaltungsbetrieben das Geld zu geben, das für ein Umdenken und eine Umstrukturierung gebraucht wird. Wir brauchen eine GAP, die nicht nur grün aussieht, sondern es auch hinter der Fassade ist. Unsere Landwirt*innen brauchen finanzielle Unterstützung, um mit den bereits geschehenen Konsequenzen des Klimawandels fertig zu werden und ihre Betriebe mit Blick auf die Zukunft gestalten zu können. 

Tag X im Danni- wie ist die Lage jetzt?

Immer wieder kam es seit dem verheerenden Tag X vor drei Wochen zu Unfällen und Verletzungen. Bäume sind gefallen und dank Fahrlässigkeit und in manchen Fällen Vorsätzlichkeit der Polizei, mit ihnen auch viele Aktivisti. Ob der eigene Tripod oder der Baum daneben gefällt wird, an Sicherungseilen gespielt oder gegen Hängemattenseile getreten wurde, die Vorkommnisse der letzten Wochen zeugen von einem unverantwortlichen Auftreten der Polizei und teilweise auch der Waldarbeitenden. Pfefferspray und auch bei diesen Temperaturen Wasserwerfer im Einsatz kennen wir schon. Neu ist, Menschen in 20 Metern Höhe zu tasern. Die Gewalt, die die Aktivist*innen im Danni aktuell erfahren, ist unmenschlich. Und das, wir wiederholen uns, für eine neue Autobahn mitten in der Klimakrise. 

Laut BUND geht aus einem Gerichtsurteil vom Juli hervor, dass der hessische Verkehrsminister Tarek AL-Wazir Handlungsspielräume hat, die er selbst allerdings entschieden abweist. Laut seiner Aussage könnte allein die Bundesregierung den Bau noch stoppen. Umwelt- und Klimagruppen mobilisieren weiter, Ende Geländes Aktion am 22.11. ist nur ein Beispiel für den andauernden und immer noch wachsenden Protest. Es bleibt also weiterhin spannend, jeden Tag kann etwas Neues passieren. Wir hoffen, dass keine weiteren Menschen in Gefahr geraten und alle, inklusive dem Danni, unbeschadet aus den Aktionen wieder herauskommen. 

29.11. – kurzer Jahresrückblick #fighteverycrisis

Ein Jahr ist der letzte „normale“ Klimastreik her. Der 29.11.2019 war der insgesamt vierte globale Klimastreik von Fridays for Future. Seitdem ist viel passiert, so viel, dass es uns manchmal vorkommt, als wäre es schon ewig her. In Anbetracht einer neuen globalen Krise, die es zu meistern gilt, kämpfen wir immer wieder an unterschiedlichen Fronten damit, dass der Klimawandel, auch wenn er gerade nicht im Vordergrund stehen mag, weiterhin unsere Aufmerksamkeit erfordert. 

Im aktuellen Weltkatastrophenbericht der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC) wird das Jahr 2019 aufgearbeitet. Viel Positives ist nicht zu verzeichnen, denn mehr als drei Viertel der Naturkatastrophen, in denen Tausende von Menschen ihr Leben verloren haben, hängen direkt oder indirekt mit dem Klimawandel zusammen. Denken wir zurück an die Wirbelstürme im letzten Wochenbericht, ist die Lage 2020 alles andere als besser geworden. Umso wichtiger war es, dass wir trotz globaler Pandemie physisch und online Präsenz gezeigt haben und mit unserem Aktivismus das Thema Klimaschutz weiterhin präsent halten. Wir haben dieses Jahr zwei globale Streiks unter erschwerten Bedingungen gemeistert und auch im kommenden Jahr werden wir uns nicht aufhalten lassen. 

Blackfriday #Blockfriday

Am Freitag, den 27.11 fanden bundesweit Blockadeaktionen auf Autobahnen bzw. über Autobahnen statt. Aktivist*innen seilten sich mit Transparenten an Autobahnnrücken ab, um Aufmerksamkeit auf den Ausbau der A49 zu lenken. In Jena z.B. seilten sich zwei Aktivist*innen von einer Brücke ab und verursachten somit einen kilometerlangen Stau. ,,Wir brauchen jetzt eine Mobilitätswende hin zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Es kann nicht sein, dass völlig unzeitgemäße Pläne von vor Jahrzehnten, wie der Bau einer neuen Autobahn, weiterverfolgt werden und ein gesunder, 300 Jahre alter Mischwald dafür gerodet wird. Ohne Verkehrswende kann das Pariser Klimaabkommen nicht eingehalten werden und es werden unumkehrbare Kipppunkte erreicht, die uns alle bedrohen.“, teilen die Aktivist*innen mit.

Natürlich ist der Aktionstag nicht zufällig am Black Friday, dem Tag, an dem unsere Konsumgesellschaft entblößt ist wie an keinem anderen. Dabei werden weniger die Konsumenten selbst, sondern das gewinnmaximierende System, welches für solche Ereignisse sorgt, kritisiert. 

Wahlen, Wirbelstürme und Wälder – Woche 46/47

Die USA steigen aus dem Pariser Klimaabkommen aus und bekommen einen neuen Präsidenten, eine Million Menschen fordern Waldschutz weltweit, während in Deutschland Wälder für Autobahnen und Kohle zerstört werden, Deutschland ist einer der Hauptblockierer der EU-Energiewende, die Mehrheit der Menschen wünschen sich mehr Klimaschutz in den Corona-Bekämpfungsmaßnahmen und dieses Jahr tobten so viele Wirbelstürme wie noch nie – wir fassen die wichtigsten Klima-Nachrichten aus zwei turbulente Wochen für euch zusammen.

Gibt es noch Hoffnung für eine nachhaltige EU-Agrarreform? #WithdrawThisCAP

Jede zehnte Tonne an Treibhausgasen, die in der EU produziert werden, stammt aus der Landwirtschaft. Seit 15 Jahren sind die Emissionen in der Landwirtschaft nicht gesunken. 40% der EU-Haushaltsmittel, das sind 400 Milliarden Euro, fließen in die gemeinsame europäische Agrarpolitik und ein großer Teil davon ohne irgendwelche Umweltauflagen. Wer gehofft hatte, dass Massenproteste für Klimaschutz, gegen Dürre-Sommer und Ernteausfälle für ein Umdenken bei den europäischen Entscheidungsträger*innen sorgen würde, erlebte im Oktober eine herbe Enttäuschung, als die EU-Agrarreform verhandelt wurde. Es ging um die nächsten sieben Jahre, also zentrale Jahre in der Bekämpfung der Klimakrise. Doch die EU-Agrarminister*innen sahen in ihrem Vorschlag zur EU-Agrarreform gerade einmal vor, dass 20% -30% der finanziellen Mittel an Umweltauflagen gebunden werden sollten – und das EU-Parlament ließ diese rückwärtsgewandte Agrarpolitik, die die Klimakrise weiter anheizen wird, durchgehen.

Nun aber hat sich nach langem Schweigen EU-Kommissar Timmermanns, zuständig für das Thema Klima und Umwelt zu Wort gemeldet. Er sagte wörtlich, er sei „enttäuscht, dass der Rat und das Europäische Parlament nicht mehr Ambitionen gezeigt haben, dass sie doch festhalten an einer Agrarpolitik, die nicht nachhaltig ist, die nicht so weitermachen kann.“

Jetzt kommt es darauf an, dass Timmermanns in den Verhandlungen mit den Agrarminister*innen und dem EU-Parlament eine deutlich verbesserte, nachhaltige Agrarpolitik durchsetzen wird. Wenn die EU die Klima- und Biodiversitäts-Krise ernst nimmt, muss die bisherigen Pläne für die Agrarreform neu schreiben und endlich die natürlichen Lebensgrundlagen, auf denen ja die Landwirtschaft essenziell basiert, schützen. 

Mehr als eine Million Menschen fordern Schutz der Wälder – Bist du schon dabei? #Together4Forests

Ökosysteme und Lebensraum, Sauerstofflieferanten, Schauplätze für Märchen und Sagen, unsere Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise… das alles und noch viel mehr sind unsere Wälder. Aber weltweit werden jede Minute 10 Fußballfelder tropischen Regenwaldes abgeholzt. In den letzten 30 Jahren haben wir ein Waldgebiet 12x so groß wie die Fläche Deutschlands zerstört. Aber jetzt haben wir die Chance diese Zerstörung aufzuhalten. Die EU, deren Importe von Produkten wie z.B. Palmöl, Gummi, Rindfleisch oder Kakao für 10% der globalen Entwaldung verantwortlich sind, hat mittlerweile auch erkannt, dass etwas getan werden muss. Dafür haben sie eine Konsultation gestartet um die EU-Bürger*innen zu fragen, was sie denken, was in einem Gesetz gegen Entwaldung drin stehen müssten.

Ein Bündnis aus über 100 Nichtregierungsorganisationen hat daraufhin die Kampagne #Together4Forests gestartet, die sich dafür einsetzt, dass ein starkes Gesetz verabschiedet wird, dass Unternehmen zur Verantwortung zieht, die durch die Produktion ihrer Produkte für Zerstörung von Wäldern sorgen. Und nun kommt die großartige Nachricht: Bereits mehr als eine Million Menschen haben sich im Rahmen der Kampagne bereits an die EU gewandt und ihr klargemacht, dass wir ein solches Lieferkettengesetz zum Schutz unserer Wälder und damit unserer Zukunft wollen! Bist du auch schon dabei? Wenn nicht dann klick mal schnell hier: https://fridaysforfuture.de/together4forests/ und nimm an der Konsultation der EU-Kommission teil. Da die Together4Forests-Kampagne basierend auf ihrer Expertise schon die Antworten für dich ausgefüllt hat, dauert es nur zwei Minuten und jede Stimme zählt, um den Druck für ein wirklich gutes Gesetz zu erhöhen. Sag auch deinen Freund*innen, Familienmitgliedern und Bekannten Bescheid!

Tag X – die Rodungen im Danni haben begonnen 

Ein Jahrhunderte alter Wald, ein Trinkwasserschutzgebiet, das eine halbe Millionen Menschen versorgt, soll aufgrund von Plänen aus den 60er Jahren gerodet werden für eine Autobahn – was im Dannenröder Forst in Hessen passiert ist ein Symbolbild für eine Klimapolitik, in der schöne Worte gesprochen werden, während zeitgleich die Zerstörung weitergeht. Seit Jahren und Monaten gibt es Proteste gegen die Rodung des Waldes, die die Besetzung des Waldes einschließen. Nun ist der „Tag X“ gekommen: Die Polizei hat begonnen den Wald für die Rodungen zu räumen. Doch die Aktivist*innen vor Ort lassen sich auch durch die Zerstörung ihrer Baumhäuser nicht aufhalten und stellen sich immer wieder aufs Neue den Räumungen und Rodungen entgegen. Stoppen könnte die Rodungen rechtlich gesehen nur noch der Bundesverkehrsminister.

RWE rodet weiter für Kohle

Nicht nur im Dannenröder Forst soll Wald für ein klimaschädliches Projekt weichen. Der Energiekonzern RWE hat kurz nach dem Beginn des zweiten Corona-Lockdowns mit der Rodung von Bäumen nahe der Dörfer Keyenberg und Lützerath  begonnen. Die Wälder und Bäume sollen für die Ausweitung des Kohletagebaus Garzweiler zerstört werden. Die Anwohner*innen Initiative „Alle Dörfer bleiben“ schreibt: „Der Kohlekonzern hofft, dass wir uns wegen der Pandemie nicht wehren können“.

RWE hoffte, dass ihre Baum-Fäll-Aktionen durch den Lockdown unbemerkt bleiben. Doch das lassen Anwohner*innen und Klimaaktivist*innen nicht zu. Bäume wurden besetzt und hunderte Menschen demonstrierten gegen die Zerstörung

Parents for Future legen Widerspruch gegen NRW-Leitentscheidung zu Braunkohle ein

Im Oktober beschloss Deutschlands größtes Bundesland und Ort zahlreicher Kohleabbaugebiete, wie dem Garzweiler Tagebau, eine neue Leitentscheidung zum Thema Braunkohle. Mitten in Zeiten der Klimakrise und monate- und jahrelangen Protesten gegen die Zerstörung von Dörfern und Wäldern für den Klimakiller Kohle wurde entschieden, dass fünf Dörfer weiterhin dem Kohleabbau weichen sollen.

Die Parents for Future, Grandparents for Future, Teachers for Future und Christians for Future kritisierten diese Entscheidung schärfstens und legten Widerspruch ein. Sie schreiben: „Ganz besonders als Eltern und Großeltern heranwachsender Bürger:innen halten wir es für unsere Pflicht, an der Gestaltung des Energielandes NRW teilzuhaben mit dem Ziel, ein lebenswertes und zukunftsfähiges Land NRW für alle zu schaffen.“ Die aktuelle Leitentscheidung ist aber nicht mit den gesetzlich verankerten Klimaschutzzielen vereinbar und die Zivilgesellschaft wurde nicht angemessen einbezogen. Sie fordern daher die Änderung der Leitentscheidung.

Deutschland blockiert Energiewende

Deutschland ist eines der sieben Länder, die maßgeblich die EU-weite Energiewende durch ihre eigenen Pläne im Energiesektor blockiert und so verhindert, dass die Energieversorgung in der EU so gestaltet wird, dass es noch möglich ist die Pariser Klimaziele einzuhalten – das zeigt eine neue Studie des britischen Thinktanks Ember.  Gemeinsam mit Polen, Tschechien, Bulgarien, Belgien, Rumänien (und mit Abstrichen Italien) wird Deutschland 2030 für 80% des CO2-Ausstoß im Stromsektor verantwortlich sein, während die restlichen 20% auf die übrigen 20 Staaten entfallen. Deutschland wird 30% des EU-weiten CO2-Ausstoßes durch die Energieproduktion verantworten. „Der langsame Ausstieg Deutschlands aus der Kohle blockiert den Umstieg der EU auf saubere Energiequellen.“, sagte Autor der Studie Charles Moore.

Die Verbrennung allein von Kohle war 2016 für 45% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – um die Klimakatastrophe zu verhindern und das 1,5°C Ziel nicht zu überschreiten müssen wir so schnell wie möglich aus fossilen Energieträgern wie der Kohle aussteigen. Dass diese auch wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind, hat die Corona-Pandemie deutlich gezeigt. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ging während des Lockdowns deutlich zurück und der britische Thinktank Carbon Tracker sagt für die kommenden Jahre einen jährlichen Rückgang um 2% voraus. Die Autor*innen der entsprechenden Studie rufen dazu auf, nicht länger an fossilen Brennstoffen festzuhalten, weil dies negative Folgen für die Weltwirtschaft haben könnte.

Erneuerbare Energien dagegen haben sich in der Corona-Krise als resilient herausgestellt und oft sogar Gewinne verzeichnet. Diese eindeutigen Signale scheinen in der Energiepolitik der deutschen Bundesregierung allerdings noch nicht angekommen zu sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass gerade jetzt die Bundesregierung die Förderung für größere Solar-Anlagen auf dem Dach bis 2022 stark begrenzen will? Die Förderungen für Neuinstallationen sollen auf 250 Megawatt begrenzt werden, das entspricht nur einem Drittel des Ausbaus in 2019. Auch bei der Windenergie gibt es noch viel nachzuholen. Zwar nimmt der Ausbau von Windrädern langsam wieder Fahrt auf, bis Jahresende wird aber dennoch nur die Hälfte des ursprünglichen Ziels der Bundesregierung erreicht. Der Ausbau scheitert z.B. an fehlenden Ausweisungen von Flächen durch Kommunen und an Klagen. Um die Klimaziele der EU zu erreichen, müsste der Ausbau der Windkraft verdoppelt werden.                                                                                                                                                    

Studie: So kann Deutschland Steuergelder und CO2 sparen

Eine Studie des Forums ökologisch-soziale Marktwirtschaft in Auftrag von Greenpeace zeigt: Deutschland könnte durch den Abbau von klimaschädlichen Investitionen bis zu 46 Milliarden Euro Steuergelder und zugleich fast 100 Millionen Tonnen CO2  sparen. Deutschland hat sich wie andere Industriestaaten auch, schon 2012 und nochmals 2016 verpflichtet, „ineffiziente Subventionen für fossile Brennstoffe“ bis 2025 auslaufen zu lassen. Doch bislang gehen immer noch Milliarden Euro in die direkte Unterstützung von klimaschädlichen Praktiken, wie die Förderung von Dienstwagen und niedrigere Strompreise für die Industrie, während sich Milliardeneinnahmen von Steuern von Klimasündern durch die Lappen gegangen lassen wird, weil zum Beispiel Kerosin steuerbefreit ist und es eine reduzierte Mehrwertsteuer auf internationale Flüge und tierische Produkte gibt. Diese Gelder könnten für einen sozialverträglichen und ökologischen Strukturwandel hin zu einer klimagerechten Gesellschaft genutzt werden.


Mehrheiten für Klimaschutz – auch in Pandemiezeiten

Mit mangelndem Rückhalt in der Bevölkerung kann die Politik ihr bisheriges Versagen unsere natürlichen Lebensgrundlagen durch effektiven Klimaschutz zu erhalten, nicht begründen. Denn immer und immer wieder zeigen Meinungsumfragen, dass es Mehrheiten für Klimaschutz gibt. So auch eine aktuelle repräsentative Studie der Organisation „More in Common“: Laut dieser Studie ist der Wunsch nach mehr Klima- und Umweltschutz in fast allen Ecken der Bevölkerung zu finden. Bei der Mehrheit der Befragten stand der Wunsch nach einem umweltfreundlicheren Land an erster Stelle, wenn nach den Zukunftsperspektiven nach Corona gefragt wurde. 85 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich Unternehmen im Gegenzug zu wirtschaftlichen Hilfen in der Krise zu CO2-Einsparungen verpflichten sollten. Etwa die Hälfte machte sich aber Sorgen, dass derKlimaschutz durch die Corona-Krise leiden könnte. Laut einer Umfrage des Instituts infratest dimap im Auftrag der ARD sind ¾ der Menschen in Deutschland nicht zufrieden, wie mit der Umwelt umgegangen wird. Es wird Zeit, dass diese Sorgen in der Politik ernst genommen werden! 

So viele Tropenstürme wie noch nie

Weltweit sind Menschen den Konsequenzen der Klimakrise ausgesetzt. Noch nie gab es so viele Tropenstürme wie dieses Jahr. Erst vor kurzem wütete der Hurricane Eta in Mittelamerika, wo 200 Menschen starben und Millionen Menschen obdachlos wurden. Und die Menschen haben kaum Zeit wiederaufzubauen, was sie verloren haben, geschweige denn sich zu erholen – denn laut dem US-Hurrikanzentrum braut sich in der Karibik der nächste Wirbelsturm zusammen, obwohl die Saison eigentlich vorüber sein sollte. Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei fordert, dass die Industriestaaten als Hauptverantwortliche für den Klimawandel, für die verursachten Schäden aufkommen.

Auch die Philippinen wurden schlimm getroffen. Durch den Taifun Vamco sind mindestens 53 Menschen ums Leben gekommen und 22 werden vermisst, 400.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Vamco ist der fünfte Tropensturm der den Inselstaat innerhalb nur eines Monats trifft und der 21. Sturm allein in diesem Jahr. Nun wehren sich die Menschen auf den Philippinen gegen Unternehmen, die dazu beitragen, die Erderwärmung anzuheizen. Die Menschenrechts-Kommission auf den Philippinen untersucht die Verantwortung von 47 Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen aufgrund der Klimakrise. Wenn ihr sie unterstützen wollt, unterzeichnet die Petition bei Greenpeace!

Klimakonferenz ausgefallen 

Eigentlich hätte am 09.11. die jährliche internationale Klimakonferenz beginnen sollen – doch diese wurde aufgrund der Corona-Kriseabgesagt. 2020 sollte eigentlich ein besonders Jahr werden. Alle Unterzeichnerstaaten des Pariser Abkommen müssen dieses Jahr ihre bisherigen Bemühungen zur Erreichung der Klimaziele überprüfen und wenn nötig, dann nachbessern. Auch ohne die Konferenz müssten die Staaten diese Nachbesserungen vorlegen. Doch der Ausfall wird häufig als Begründung angegeben, warum ca. 90% der Unterzeichnerstaaten bisher keine Nachbesserungen vorgelegt haben. Die EU, China, Japan und Südkorea haben bisher neben einigen wenigen weiteren Staaten Nachbesserungen gelobt, aber es fehlen häufig noch konkrete Schritte.

Die USA steigen aus dem Pariser Klimaabkommen aus und wählen einen neuen Präsidenten 

Als Klimawandel-Leugner Donald Trump Präsident der USA wurde, kündigte er an, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten. Wegen vertraglichen Regelungen trat diese Regelung erst dieses Jahr in Kraft – kurz bevor Trump das Weiße Haus wieder verlassen wird. Unter seiner Regierung stiegen die Emissionen im Gebäudesektor, in der Industrie und beim Verkehr, nur im Energiesektor konnte er zum Glück nicht mehr verhindern, dass Kohle immer unrentabler wurde.

Trump schaffte insgesamt 125 Umweltgesetze ab oder schränkte sie ein: Von Emissionsstandards für Autos über Methanemissionen von Gas- und Ölbohrungen bis zu den Umweltauflagen für Kohlekraftwerke. Dazu finanzierten die USA auch nicht mehr internationale Maßnahmen für die Abschwächung und Anpassung an den Klimawandel. Eigentlich hatten die Industriestaaten zugesagt, gemeinsam jährlich 100 Milliarden Euro für Maßnahmen für einen klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft und Anpassungsmaßnahmen an die Konsequenzen der Klimakrise in den Ländern des globalen Südens auszugeben (diese Summe entspricht allerdings nur einem kleinen Teil der Kosten, die die Länder des globalen Südens tatsächlich aufgrund der Klimakrise tragen müssen – obwohl sie nicht die Hauptverursacher sind).

Der neugewählte US-Präsident Joe Biden dagegen versprach, wieder dem Pariser Klimaabkommen beizutreten. Als klar wurde, dass er die Wahl gewinnen würde, stiegen auf dem Finanzmarkt die Aktien für z.B. erneuerbare Energien deutlich an. Biden hat schon im Wahlkampf angekündigt, fast zwei Billionen Dollar in ein Klimaschutzprogramm zu investieren. Sein Ziel ist es, dass die USA bis 2050 klimaneutral werden. Doch für die Umsetzung des Programms muss er noch den Senat überzeugen und die Ministerien zur Umsetzung bringen. Laut dem Climate Action Tracker, könnte das Versprechen der USA bis 2050 klimaneutral zu werden, gemeinsam mit den Plänen Chinas, Japans, Südkoreas und der EU das 1,5°C Ziel wieder in greifbare Nähe rücken.

Die bekannte Klimaaktivistin Vanessa Nakate aus Uganda wandte sich nach dem Wahlsieg in einem eindringlichen Brief an die zukünftige Biden-Regierung: „Der Klimawandel betrifft so viele Leben von Menschen in meinem Land, ganz besonders von Kindern, Mädchen und Frauen.“, schrieb sie. „Alles was wir wollen, ist ein lebenswürdiger, gesunder Planet, eine gleichberechtigte, nachhaltige Gegenwart und Zukunft. Ist das zu viel verlangt?“

Eine Woche voller Klimabildung: Die Public Climate School 3.0 findet digital statt

Unsere Studierenden-AG organisiert in der Woche vom 23. bis 27. November die dritte deutschlandweite Public Climate School (PCS) – eine offene Klimagerechtigkeits-Uni für Alle. Eine Woche lang wird es digitale Bildungsveranstaltungen für eine ökologische und gerechte Zukunft geben. Dieses mal gibt es auch ein Programm, dass auf die Interessen von Schüler*innen angepasst ist und aus Impulsvorträgen mit anschließender Diskussionsrunde, Live-Unterricht und Workshops besteht, welchesLehrpersonen für ihren Unterricht nutzen können. Für mehr Infos schaut auf der Website der Students for Future vorbei: https://studentsforfuture.info/ oder schaut euch den Trailer zur dritten Public Climate School auf Youtube an: https://www.youtube.com/watch?v=g4Q2baX2SJw

Von Wundern, Geschenken und Offenbarungen – Wochen 43/44

Einem Wunder in diesen Zeiten, gleicht die Eröffnung des BER. Donald Trump hinterlässt den USA ein besonderes Dauergeschenk: die Zerstörung der nordamerikanischen Regenwälder. Und ein Bericht offenbart die Personen hinter den Verbrechen im Amazonas. Der Wochenüberblick von Sophia und Manuel. 

🛬Ein Hoffnungsschimmer bei den Protesten gegen den Flughafen BER

Der Flughafen BER (Berlin Brandenburg) sollte eigentlich im Frühjahr 2013 eröffnet werden. Die Eröffnung wurde jedoch vielfach verschoben und der Bau hat ein vielfaches mehr gekostet als von Anfang an geplant. Es gab verschiedenste kreative Protestformen von uns und anderen Klimagerechtigkeitsbewegungen, welche sich gegen die geplante Eröffnung des umstrittenen Flughafen BER in Berlin richten. Es ist ganz klar, dass wir die Emissionen im Flugverkehr drastisch senken müssen. Und solange keine Emissionsärmeren Techniken zur Verfügung stehen, bedeutet das eine Einschränkung des Flugverkehrs. Während 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, noch nie ein Flugzeug betreten haben, ist der Flugverkehr trotzdem für fast 10 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

🌳Trumps zerstörerische Pläne

Die Trump Admistration hat diese Woche eine wichtige Umweltschutzregel  für den Tongass National Forest in Alaska aufgehoben und damit den Regenwald, die Lunge Nordamerikas, zur wirtschaftlichen Nutzung & Rodung verfügbar gemacht. Dies soll den Öl- und Gas Abbau vorantreiben. Wir solidarisieren uns mit den First Alaskans. Klima- & Umweltschützer*innen im ganzen Land protestieren gegen diese Entscheidung. Damit zerstört Donald Trump die jahrzehntelange Arbeit von Umweltschützer*innen die es bisher geschafft haben, dieses Vorhaben zu verhindern. 

💸Die (Klima-)Verbrecher*innen

Dass der Amazonas gerade abbrennt und der indigenen Bevölkerung ein Genozid und der Menschheit hierdurch eine Katastrophe droht, dürfte hinlänglich bekannt sein. Weniger bekannt dürften die Namen der Personen sein, welche diese  Verbrechen gegen die Menschen, gegen das Klima und die gesamte Menschheit finanzieren und welche von diesen Verbrechen profitieren. Es ist Zeit, die Namen zu nennen, damit sie endlich international und national zur Rechenschaft gezogen werden und damit Investitionen oder die Erteilung von Genehmigungen überdacht werden können. Das tut der dritte Bericht der Nichtregierungsorganisation Amazon Watch, der vor wenigen Tagen erschienen ist. Zusammen  mit der Vereinigung der indigenen Völker legt er auf 45 Seiten die Namen dieser Verbrecher*innen offen. Wir fassen diesen Bericht hier für euch zusammen und rufen die Politik, Wirtschaft, und Gesellschaft dazu auf, unverzüglich:

  • auf der Grundlage des geltenden Rechts zu versuchen, diese Personen zur Rechenschaft zu ziehen und sie zu sanktionieren und/oder
  • die erforderlichen gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, um Praktiken, die Menschenrechtsverletzungen sind oder zu finanzieren endlich effektiv verbieten und strafrechtlich verfolgen zu können und effektive Sanktionen verhängen zu können.

Die Finanziers und Profiteure der Menschenrechtsverletzungen und (Klima-)Verbrechen sind: 

  • BlackRock: Der Vermägensverwalter Blackrock     soll der weltweit größte Investor sein, der in Aktivitäten, die der  Abholzung der Regenwälder     im  Amazonasgebiet und weltweit dienen, investiert. Er soll insgesamt 8,5     Milliarden Dollar in die Unternehmen, die im Bericht von Amazon Watch     aufgeführt sind, investiert haben. Ende 2019 soll BlackRock Aktien im Wert     von 2,5 Milliarden US-Dollar an Ölgesellschaften, die im Amazonas tätig     sind, gehalten haben.
  • Vangaud: Vangaud soll 2,7 Milliarden Dollar in     Firmen investiert haben, die der Bericht aufführt.
  • JP Morgan: JP Morgan soll 2,4 Milliarden     Dollar in Firmen investiert haben, die der Bericht aufführt.
  • Citigroup: Die Citigroup soll zwischen 2017     und 2020 fast 2,2 Milliarden US-Dollar in Anglo American, Cargill, Cosan,     Eletrobras, Energisa, Vale und JBS investiert haben, darunter zwischen     2017 und 2019 827 Millionen US-Dollar in Ölfirmen, die im westlichen     Amazonasgebiet tätig sind – GeoPark, Frontera Energy und Andes Petroleum. Deren Aktivitäten sind nicht nur katastrophal für das Klima ist, sondern     stoßen auch auf den heftigen Widerstand der indigenen Bevölkerung.
  • Bank of America: Die Bank of America soll 1,5    Milliarden Dollar in Firmen investiert haben, die der Bericht aufführt.

Diese Unternehmen sollen in illegalen Landraub, Menschrechtsverletzungen an der indigenen Bevölkerung und illegale Abholzung des Regenwalds beteiligt oder verwickelt sein: 

  • Vale: Dieses Unternehmen betreibt im Amazonasregenwald Bergbau und stellt Palmöl her. Der Einsatz von Chemikalien und Pestiziden versucht den Boden, die Flüsse und das Grundwasser und raubt der indigenen Bevölkerung ihren Lebensraum. Außerdem soll Vale für Bombardierungen indigener Dörfer sein und die größte Umweltkatastrophe in Brasilien verantwortlich sein (die sich jedoch außerhalb des Amazonas ereignete). 2015 wurden infolge eines Dammbruchs 700 Kilometer des Doce River und Teile des atlantischen Ozeans verseucht. 2019 ereignete sich eine  Katstrophe in ähnlicher Form: Infolge eines weiteren Dammbruchs wurden Flüsse verseucht und 270 Indigene starben an Vergiftung.
  • Anglo American: Anglo American zählt zu den weltgrößten Rohstofflieferanten. In Brasilien führt er seine Aktivitäten unter anderem auf indigenem Gebiet durch. Er beantragte 300 Genehmigungen zum Rohstoffabbau auf indigenen Gebieten. Infolge seiner Tätigkeit werden Flüsse mit Quecksilber verseucht und Waldgebiete durch Überschwemmung oder Austrocknung zerstört.
  • Belo Sun: Dieses Unternehmen möchte eine der größten Goldminen Lateinamerikas auf indigenem Gebiet errichten. Es hat hierfür 11 Genehmigungen beantragt. Trotz sechs Klagen gegen das Projekt soll es bereits mit diesem begonnen haben.

 ·      Potasio do Brasil: Ein brasilianisches Rohstoffunternehmen, welches auf indigenem Land Rohstoffabbau betreibt und die Lebensgrundlagen der Indigenen zerstört. ·      Cargill: Das Unternehmen soll Soja von Händlern aus den 15 Gemeinden beziehen, in denen flächenmäßig der indigenen Bevölkerung am meisten Land genommen wurde. Die Sojaplantagen setzen Pestizide ein, die das Grundwasser versuchen und das Land und der Ackerbau der indigenen Bevölkerung zerstören. ·      JBS: Ist der weltgrößte Fleischproduzent. Zu ihm gehören die Unternehmen Tulip und Moy Park. Seine Kunden sind u.a. in Nordamerika Tesco, Sainsbury’s, Burger King, McDonald’s und KFC. JBS bezieht seine Rinder von Händlern und Viehzüchtern, welche illegal das Land der Indigenen rauben und in Schutzgebieten den Regenwald roden. ·      Cosan Group: Der Agrarkonzern produziert Ethanol und Zuckerrohr und wurde 1960 gegründet. Es erhielt zwischen 800.000 und 1,7 Millionen Hektar Land, der damals größte Landbesitz Brasiliens. Es siedelte die indigene Bevölkerung zwangsweise um und zwang sie, auf den Feldern zu arbeiten – eine moderne Form der Sklaverei. 2002 gab das Unternehmen einen Teil seines Landes zurück. Derzeit besitzt das Unternehmen kein indigenes Land mehr. 2017 reichte die Bundestaatsanwaltschaft Zivilklage ein. Die Klage forderte eine Entschädigung von 23,4 Millionen US-Dollar. 2019 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 427 Millionen US-Dollar. Zu seinen Kunden und Partnern zählen: Shell (gemeinsames Joint-Venture, CSC Sugar (USA), Wilmar International (Singapur) und Nestlé (Schweiz).  ·      In die Zerstörung des Regenwaldes und der natürlichen Lebensgrundlagen und Menschenrechtsverletzungen sind außerdem drei Energieunternehmen verwickelt: o   Energisa Mato Grosso; o   Bom futuro Energia und o   Equatorial Energia Maranhão.

Unsere eigene Studie, Erkenntnisse in der EU-Klimapolitik und Ökosystemkollapse – Woche 42

In der Woche vom 12.10.-18.10.2020 ist einiges passiert: Ein Highlight war definitiv die Veröffentlichung unserer Machbarkeitsstudie, die zeigt, dass es möglich ist, die Pariser Klimaziele einzuhalten. Zugleich gab es auch einige besorgniserregende Erkenntnisse der Wissenschaft, die wiederrum zeigen: Effektiver Klimaschutz ist dringend nötig. Die Ereignisse der vergangenen Woche hat Sophia für euch zusammengefasst. 

🎉 HYPE – Unsere Studie ist der Hammer 🎉 #SoGeht1Komma5

Seit fast zwei Jahren gehen wir auf die Straßen und fordern: Hört auf die Wissenschaft! Dennoch ist die Bundesregierung nie auf die Idee gekommen, selbst Wissenschaftler*innen nach ihren Erkenntnissen zu fragen, wie wir die größte Krise des 21. Jahrhunderts bewältigen können. Daher haben wir das nun selbst geleistet: In Zusammenarbeit mit dem renommierten Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie haben wir den Job der Politiker*innen übernommen und Lösungsansätze aufgezeigt, wie das 1.5 Grad Ziel noch machbar ist! Dafür muss jetzt aber schnell und entschlossen gehandelt werden. Was genau gemacht werden muss, erfahrt ihr in unserer Zusammenfassung der Studie! Auch die Internationale Energie-Agentur IEA in Paris hat eine Studie vorgelegt mit weltweitem Fokus: Die OECD-Behörde, die sonst eher Kohle, Gas und Öl positiv gegenüber stand, hat einen Bericht vorgelegt, dass es möglich ist, dass die Welt bis 2050 klimaneutral wird. Dafür muss aber viel passieren und die Energie-Agentur warnt, dass es kein weiter so der bisherigen Infrastruktur aus fossilen Kraftwerken, Industrieanlagen und Autos geben dürfe. In Zeiten der Corona-Krise hätten sich erneuerbare Energieträger sowieso als einzige krisensichere Technologie in der Energiebranche erwiesen.

📈 EU-Klimaziele: 55% sind nicht genug!

Wenn wir das 1,5° Grad Ziel erreichen wollen, muss auch die EU ambitioniertere Klimaziele verabschieden und einhalten. Aber bislang sieht es nicht so aus, als ob die EU auf Paris-Kurs wäre. Dieses Jahr müssen erstmals alle Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens an das UN-Klimasekretariat melden, wie weit sie mit ihren C02-Reduktionsmaßnahmen gekommen sind und gebenenfalls nachbessern. Und nachbessern ist dringend nötig. Die aktuellen Ziele würden zu einer Erderwärmung von 3 -4°C und damit zum Überschreiten zahlreicher Kipppunkte führen, die den Klimawandel unkontrollierbar werden lassen. Da das Pariser Abkommen keine Sanktionen für Staaten, die ihre Ziele nicht einhalten, vorsieht, ist es wichtig, dass die EU als Bund der Industriestaaten des Globalen Nordens mit gutem Beispiel vorausgeht. Doch die aktuellen Ziele der EU sind weit von einem guten Beispiel entfernt. Bislang will die EU bis 2030 ihre Klimaziele nur um 40% gegenüber 1990 senken. Die EU-Komission schlägt nun vor das Ziel auf 55% zu erhöhen, ein Vorschlag den auch Bundeskanzlerin Merkel und elf weitere Regierunschef*innen bei ihrem EU-Gipfel zum Klima unterstützten. Überzeugt sind aber noch längst nicht alle Mitgliedstaaten der EU. Das EU-Parlament dagegen fordert eine Reduktion um 60% bis 2030. Das ist ein Fortschritt, der auch durch den massiven Druck der Zivilgesellschaft möglich wurde. Aber machen wir uns nichts vor: Auch 60% sind noch nicht genug. Damit wir eine Chance haben die Klimakatastrophe noch zu verhindern muss die EU bis 2035 klimaneutral werden, nicht erst wie geplant 2050. Das heißt die Treibhausgase müssen bis 2030 um 80% reduziert werden. Das klingt ambitioniert, aber es sollte uns der Erhalt unserer Küstenstädte, die Prävention von mehr Kriegen und bewaffneten Konflikten und Hungerkatastrophen, die Verhinderung von mehr Extremwetterereignisse wie Stürmen, Überflutungen und Dürren wert sein. Daher fordern wir von den deutschen Vertreter*innen, dass sie sich für Maßnahmen einsetzen, die uns vor den Folgen der Klimakatastrophe schützen. Unsere Forderungen könnt ihr hier nachlesen!

🌊 UNO: Klimakrise Hauptgrund für Verdopplung der Naturkatastrophen

Die Anzahl der Naturkatastrophen, wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen haben sich in den letzten zwanzig Jahren fast verdoppelt. Grund dafür: Die menschengemachte Erderwärmung. „Wir zerstören mit vollem Wissen. Das ist die einzige mögliche Schlussfolgerung, wenn man die Katastrophen der letzten 20 Jahre Revue passieren lässt“, sagte die Leiterin des UNO-Büros, Mami Mizutori. 1,23 Millionen Menschen haben ihr Leben von 2000 bis 2019 aufgrund einer Naturkatastrophe verloren. Die Naturkatastrophen richteten einen wirtschaftlichen Schaden von fast 3 Billionen Euro an. Und es wird noch viel mehr Naturkatastrophen geben, wenn wir es nicht schaffen, die Erderwärmung unter 1,5°C zu begrenzen.

❄️Die Arktis stirbt – Ergebnisse der Polarstern-Mission

Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Institut ist nach einem Jahr Expedition in der Arktis zurückgekehrt – und die Wissenschaftler*innen berichten vom Sterben des ewigen Eis. Rekordtemperaturen im Sommer führten dazu, dass Passagen, wo es sonst mehrjähriges, so dickes Eis gibt, dass auch der Eisbrecher mal stecken bleibt, leicht zu durchqueren und zum Teil sogar eisfrei waren. Markus Rex, Professor für Atmosphärenphysik an der Universität Potsdam und der Leiter der Mosaic-Expedition sagte: “ Es macht sehr augenfällig, dass das sommerliche arktische Meereis in wenigen Jahrzehnten komplett verschwunden sein könnte. Dass wir die letzte Generation sein könnten, die noch eine ganzjährig von Eis bedeckte Arktis sieht.“ Das Verschwinden des Eis hätte nicht nur fatale Auswirkungen vor Ort, sondern auch auf das Wetter und Klima hier. Rex: „Das Eis sterben zu sehen tut weh. Wir sollten alles daran setzen, es auch für zukünftige Generationen zu erhalten.“

🌳Ein Fünftel aller Länder vor Ökosystem-Kollab

Eine echt traurige Nachricht: Ein Fünftel aller Länder weltweit  stehen kurz vor dem Kollabs ihrer Ökosysteme. Betroffen sind zum Beispiel:  Australien, Isreal, Südafrika, Indien, Spanien und Belgien. Grund für den Ökosystemkollabs sind die Zerstörung von Natur und Wildleben. Dabei schneiden wir uns selbst ins Bein: Schon jetzt hat menschliche Aktivität dazugeführt, dass für uns lebensnotwendige „Leistungen“ der Natur, wie Essen, sauberes Wasser, klare Luft und der natürliche Schutz vor Überflutungen zerstört werden. 2019 hatten führende Wissenschaftler*innen gewarnt, dass die Menschheit als Ganzes vom Verlust der Biodiversität bedroht ist. Übrigens ist der Verlust von Biodiversität auch ein negativer Faktor für die weltweite Wirtschaft: Mehr als die Hälfte des weltweiten Wirtschaftswachstums basiert auf einer gut-funktioniereden Biodiversität, die wir zerstören. Unser Zusammenleben hängt also existenziell davon ab, ob wir den Raubbau an der Natur stoppen können.

In 14 Tagen um die Welt – Woche 37/38

Am 25.09.2020 ist ein wichtiger Tag für die Klimaschutzbewegung weltweit: Gemeinsam und vereint gehen wir auf die Straßen und zeigen so der Politik, dass die Bevölkerung eine effektivere Klimaschutzpolitik fordert. Die Nachrichten der letzten beiden Wochen zeigen, dass diese dringender ist, als je zuvor. Reisen wir um die Welt, um zu sehen, wie der Klimawandel diese schon jetzt verändert.

Romantisches Inferno

Ein (alb-)traumhafter Augenblick in San Francisco: Die Golden Gate Bridge in orangenen Himmel getaucht, das gelbe und weiße Licht schimmert fahl durch den Nebel des Pazifischen Ozeans…

Was wie auf den ersten Blick wie der erste Höhepunkt unserer Reise wirkt, ist die Fassade eines Infernos. In den USA schreiben die Waldbrände Feuer traurige Rekorde. In Kalifornien verbrannte eine Fläche von mehr als 8000 Quadratkilometern. Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1903 haben Brände so viel Wald zerstört. Sechs der 20 Waldbrände zählen zu den schlimmsten der Geschichte Kaliforniens. Auch im Bundesstaat Oregon gerieten die Brände außer Kontrolle – so sehr, wie noch nie zuvor. Insgesamt brannte es auf 3.600 Quadratkilometern – eine Fläche, so groß wie Mallorca. Durch die Brände starben 33 Menschen, 500.000 Menschen sind derzeit aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Die Rauchsäule erreichte eine Höhe von 15 Kilometern Höhe und hüllte nicht nur San Francisco ein, sondern ließ mancherorts auch unseren Himmel zeitweise dunstig erscheinen und färbte die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge rot. Und es brennt weiter, während wir unseren Blick in diesem Bericht nach Nordosten auf die Arktis richten.

Arktis in Gefahr

Während in den USA die Waldbrände einen traurigen Rekord brechen, weil sie riesig-große Flächen zerstören, findet in der Arktis auch ein trauriger Rekord statt, der allerdings mit einer verschwindend kleinen Fläche zu tun hat: Die mit Eisschollen bedeckte Fläche schmolz infolge mehrerer Hitzewellen auf eine Fläche von 3,8 Millionen Quadratkilometern zusammen. Dies ist die zweitkleinste Fläche seit Beginn der Beobachtungen vor 40 Jahren. Ursache hierfür waren eine Hitzewelle im Juli, die dazu führte, dass die Lufttemperaturen bis zu 6° C über dem Langzeitmittel der Jahre 1981 bis 2010 lagen. Dazu kamen die hohen Meeresoberflächentemperaturen, die in den russischen Randmeeren, in der Barentssee und der Tschuktschensee bis zu 4,5 Grad über dem Langzeitmittel lagen. Forscher*innen gehen davon aus, dass das Klima der Arktis sich bereits verschoben hat.

Setzt sich diese Entwicklung fort, so könnte es zum Eintritt des Kipppunkts Arktis kommen: Schmelzen die Eisflächen, so sinkt die Fläche, die das Meer bedeckt und das Sonnenlicht reflektiert. Geht diese Fläche zurück, absorbieren die Ozeane das Sonnenlicht und erwärmen sich. Dies trägt zum Schmelzen des verbliebenen Eises bei. Eine weitere Folge ist die Abschwächung oder gar das Verschwinden des Golfstroms.

Abschwächung des Golfstroms

Der Golfstrom transportiert im Atlantik 20 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Sekunde und damit das Hundertfache der Wassermenge aller Flüsse dieser Erde zusammen. Motor des Golfstroms ist neben Winden der unterschiedliche Salzgehalt in den Ozeanen. In der Arktis ist dieser höher als in den südlicheren Meeren. Dieser Unterschied treibt den Golfstrom mit an. Schmilzt das Eis in der Arktis, so gelangen riesige Mengen Süßwasser in den Ozean und vermischen sich dort mit dem salzhaltigen Wasser. Die Konzentration des Salzes sinkt und damit der Unterschied der Salzgehalte. Der Golfstrom schwächt ab.

Dass diese Entwicklung stattfindet, bestätigt erneut eine Studie, welche auf die Entwicklung des Meeresspiegels an 46 Standorten der Atlantikkünsten in Florida und in der Karibik abstellt. Diese Studie nutzt hierbei den Coriolis-Effekt. Aufgrund ihrer Trägheit reagieren Teilchen, die sich bewegen, nicht auf die Erddrehung. Die Erde dreht sich unter ihnen weg. Es scheint so, als werden diese abgelenkt. Auf der Nordhalbkugel geht diese Ablenkung nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Diesem Effekt unterliegt auch der Golfstrom. Das Wasser, das er transportiert, wird nach rechts abgelenkt. Deswegen ist der Meeresspiegel auf der rechten Seite seiner Strömung höher als auf der linken Seite. Schwächt der Golfstrom ab, so sinkt dieser Unterschied. Und genau das ergab der Vergleich der Meeresspiegelhöhen in der Studie: Der Golfstrom schwächt seit 1909 ab und in den letzten 20 Jahren in einem Maße, das es wahrscheinlich zuvor noch nie gegeben haben könnte.

Doch warum ist das Abschwächen des Golfstroms für Europa nun fatal? Mit seinen gigantischen Wassermengen transportiert der Golfstrom eine ebenso gigantische Wärmemenge. Ihre Energie soll 1,5 Petawatt betragen, das sind mehr als eine Million Gigawatt und entspricht der elektrischen Energie, die eine Million der größten Kraftwerke der Welt zusammen produzieren oder, um einen anderen Vergleich zu wählen, dem hundertfachen Energieverbrauch der Menschheit. Im Nordatlantik gibt der Golfstrom diese Wärme an die Atmosphäre ab. Ihr verdanken wir das milde und ausgeglichene Klima, das auf dem europäischen Kontinent herrscht. Schwächt sich der Golfstrom ab oder versiegt dieser ganz, so fällt diese Wärme weg. Dann trifft die Polarluft Europa immer stärker und schließlich mit ihrer geballten Kraft. Es bildet sich über Nordeuropa eine Kälteblase. Diese könnte einerseits bewirken, dass in Nordeuropa der Eintritt extremer Wettereignisse, wie z.B. Temperaturstürze von bis zu 30 Grad innerhalb weniger Stunden oder das Auftreten von Tornados möglich sein könnten, wie wir es in den USA sehen können. Denn dort sind große Teile des nordamerikanischen Kontinents dem plötzlichen Einbruch der Polarluft und heftigen Temperatur- und Druckunterschieden ausgesetzt. Anderseits wird eine Umlenkung der Jetstreams, die Feuchtigkeit mit sich führen, nach Süden befürchtet. Dies kann dann zu Hitzewellen führen.

Dass der Golfstrom noch nicht stärker abgeschwächt ist oder schon ganz verschwunden ist, könnte an einer weiteren Auswirkung des Klimawandels liegen, die ebenfalls mit der Erwärmung der Ozeane zu tun hat. Brechen wir nach Asien zum indischen Ozean auf.

Erwärmung des Indischen Ozeans

Der Indische Ozean erwärmt sich schneller als gedacht. Dies fanden Forscher*innen heraus, indem sie die Geschwindigkeiten von Erdbebenwellen, die sich im Wasser in Schallwellen umwandeln, in einer seismisch aktiven Zone vor Sumatra (Indonesien) miteinander verglichen. Der Vergleich ergab, dass sich der Indische Ozean durchschnittlich pro Jahrzehnt um 0.044°C (mehr als 400 Hundertstel Grad Celsius) erwärmte. Dies ist etwa 70 Prozent mehr, als bislang angenommen. Den Unterschied erklären sich die Forscher*innen damit, dass diese Methode genauer ist, als die Methode mit Bojen zu messen und dass die Erwärmung bereits in einer Tiefe von mehr als 2000 Metern stattfindet, die Bojen nicht erfassen können.

Die Erwärmung der Ozeane kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Gesichert ist, dass sich mit der Erwärmung der Ozeane ihre Kapazität, CO2 aufzunehmen, verringert. Dies könnte den Klimawandel beschleunigen, denn über 90 Prozent der vom Menschen in die Atmosphäre freigesetzten Energie, wird von den Ozeanen der Erde aufgenommen. Sinkt infolge ihrer Erwärmung ihre Kapazität, CO2 aufzunehmen, verbleibt dieses in der Atmosphäre und verstärkt den Klimawandel. Es könnte sogar noch CO2 freigesetzt werden.

Gleichzeitig könnte diese Erwärmung der Grund dafür sein, dass der Golfstrom noch nicht zusammengebrochen ist. Die Erwärmung des Indischen Ozeans soll verantwortlich dafür sein, dass Niederschläge über dem in Nordeuropa
Atlantik ausbleiben. Dies soll die unterschiedliche Salzkonzentration, die ein Motor des Golfstroms ist, stabilisieren.

Heben sich damit die Auswirkungen des Klimawandels im Ergebnis gegenseitig auf und ist alles halb so schlimm? Diesen Schluss zu ziehen, könnte uns in trügerischer Sicherheit wiegen. Erwärmt sich auch der Atlantik, so könnte dieser Effekt verschwinden. Der Golfstrom könnte dann für uns unerwartet zusammenbrechen. Sofern der Klimawandel uns mit seinen Auswirkungen, die uns gegenteilig erscheinen, scheinbar Zeit gibt, müssen wir umso alarmierter sein: Sämtliche Kipppunkte stehen unmittelbar vor ihrem Eintritt und drohen sich gegenseitig auszulösen. Anstatt darauf zu wetten, es passiere nichts, müssen wir handeln.

Hurrikane an der US-Ostküste

Beenden wir unsere Reise, dort, wo wir sie begonnen haben, in den USA. Dort verwüsten nicht nur Waldbrände die Westküste, auch die Ostküste ist bedroht von Hurrikanen. So wütete gerade ein Hurrikan der Stufe 2. Gerechnet wird, dass das Zusammentreffen von La Nina und dem Klimawandel bis zum Ende der Hurrikansaison im November noch stärkere Hurrikane hervorbringen könnte. Letzte Woche betrug die Wassertemperatur vor der Küste Floridas 30 Grad, für Hurrikane, die ab 26° Grad entstehen können, traumhafte Bedingungen.

Unsere Reise zeigte, dass der Klimawandel längst Realität ist und unser Leben und Klima weltweit bestimmt und bedroht. Um das Eintreten der Klimakatastrophe zu verhindern, gehen wir am 25.09. weltweit auf die Straße. Denn auf die Bedrohung durch den Klimawandel kann es nur eine Antwort geben: internationale Klimagerechtigkeit. Diese fordern wir am 25.09. ein. Sei dabei!

Zwischen Klagen, neuen Gesetzen, und Protesten gegen Garzweiler sind wir weiterhin am Campen!

Großstreiks, Klimacamps und faszinierende Enthüllungen über die Verwicklung von Kommunen in Kohlegeschäfte – was genau es mit dem ganzen auf sich hat und was klimapolitisch in den letzten zwei Wochen passiert ist, fassen euch Nils und Lara in unserem Wochenbericht zusammen!

Globaler Klimastreik – Coronakonform!

Deutschlandweit und global laufen die Vorbereitungen für den 25.09 dem Global Day of Climate Action auf Hochtouren.
Wir in Deutschland befinden uns in der glücklichen Situation, dass das Infektionsgeschehen uns Aktivismus auf den Straßen ermöglicht. Bei allen Aktionen werden natürlich auf Hygieneregeln besonders stark geachtet. Diese Situation ist auch für uns neu und ungewohnt. Deshalb gibt es viele verschiedene Protestformen in ganz Deutschland. Es wird z.B. an manchen Orten Fahrraddemos geben jedoch finden auch klassische Laufdemos statt.

Alle Aktionen werden einem Hygienekonzept unterliegen, welches in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Ordnungsämtern abgestimmt ist. Dazu gehört auch, dass eine deutlich höhere Anzahl an Ordner*innen die Demos beaufsichtigen werden und streng alle Corona Maßnahmen überprüfen werden.
Bereits jetzt sind schon über 200 Aktionen in ganz Deutschland geplant und es werden täglich mehr!

Es wird weiterhin für’s Klima gecampt

In mittlerweile 4 Städten stehen unsere Klimacamps. In diesen Camps geht so einiges mehr, als auf normalen Demonstrationen möglich ist. Gerade in Zeiten von Corona sind sie sehr wichtig, da sie weiterhin Aufmerksamkeit auf das Thema Klimaschutz ziehen und gleichzeitig aber nicht tausende von Menschen zusammenkommen.
In diesen teilweise zeitlich unbegrenzten Camps ist so viel Zeit wie nötig vorhanden. Es gibt spannende Workshops zu verschiedenen Themen, jedoch ist auch genug Raum und Zeit für Vernetzung oder auch einfach nur Entspannung – natürlich für einen guten Zweck!

Also worauf wartet ihr? Kommt nach Hamburg, Saale, Augsburg oder München.
Denn: Wir bleiben bis ihr handelt!

Jugendliche verklagen Deutschland und weitere 32 Staaten

Da sie ihre Menschenrechte in Gefahr sehen, verklagen sechs portugiesische Jugendliche 27 EU Staaten, sowie Russland, die Türkei, die Schweiz, Großbritannien und die Ukraine. Denn diese Industrienationen sind maßgeblich an der Klimakrise Schuld und sie tun zu wenig, um genau diese abzuwenden. Eine der Kläger*innen, die 20-jährige Catarina Mota berichtete: Sie „lebe mit dem Gefühl, dass mein Zuhause immer mehr zu einem feindlichen Ort wird“. Denn die Kläger*innen kommen teilweise aus der zentral portugiesischen Region Leira, in der drei Jahre zuvor heftige Waldbrände gegeben hatte. Die Klimakrise ist verantwortlich für das derartige Ausmaß der Brände. Deshalb sehen sie sich gezwungen, den Industrienationen vor dem Europäischen Gerichtshof juristisch zu zeigen, dass sie sich ihre Zukunft nicht nehmen lassen und dabei nur zuschauen.

Klimagerechtigkeit vor Gericht einzufordern ist dabei nichts Neues:
In den vergangenen Jahren ist es schon häufiger zu Klagen gegen Regierungen gekommen. Darunter sind auch abgeschlossene Klagen, welche erfolgreich waren. In den Niederlanden zum Beispiel hatte ein Gericht im Jahr 2015 in Den Haag der Stiftung Urgenda recht gegeben. Sie hatten gefordert, dass der Staat den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen um mindestens 25% statt nur 17% verringern muss. Die niederländische Regierung ging in Revision, jedoch stimmte das Gericht den Klagenden zu.

Neues Erneuerbare Energien Gesetz

Bis 2030 sollen 65% des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien kommen. Jedoch erschweren lange Genehmigungsverfahren, fehlende Flächen sowie Proteste und Klagen von Anwohner*innen und Naturschützer*innen dieses zu erreichen. In diesem Tempo darf es nicht weitergehen, wenn wir unsere Ziele erreichen möchten. Deshalb gibt es das neue EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) von unserem Wirtschaftsminister Altmaier. Durch eine „Südquote“ und GemeindeBonus bei der Windenergie sollen genau die oben genannten Probleme behoben werden. Die Südquote soll den Ausbau von Windrädern im Süden fördern. Durch den GemeindeBonus werden Gemeinden unterstützt. Außerdem sollen Anwohner*innen günstigere Bürgerstromtarife erhalten. Jedoch hat der derzeitige Gesetzesentwurf ein halbes Jahr Verspätung und muss schon bald wieder angepasst werden, da er nicht den Klimaschutzzielen der EU entspricht. Das beweist mal wieder, dass vernünftige Klimapolitik in Deutschland verschlafen wird.

Proteste gegen Braunkohle in Garzweiler

Am Sonntag haben wir gemeinsam mit Alle Dörfer bleiben für einen früheren Kohleausstieg protestiert. Mit rund 3000 Menschen machten wir an der Stelle des Problems, nämlich in Garzweiler darauf aufmerksam, dass der Kohleabbau im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß und nicht tragbar ist. Zurzeit sind fünf Erkelenzer Dörfer vom Tagebau bedroht.
Mit einer Menschenkette um das Dorf Lützerath wurde klargemacht „Alle Dörfer bleiben! Jetzt erst Recht!“
Ein Kohleausstieg 2038 wie von der Bundesregierung beschlossen ist zu spät, denn um das Pariser Klimaabkommen einhalten zu können ist ein Kohleausstieg 2030 nötig. Ökologisch, sowie ökonomisch wäre dies vernünftiger, da sich die Kohle schon jetzt nicht mehr rechnet.

Strukturwandel für Kohleregionen

Einen Marathonlauf für den Strukturwandel in den Kohleregionen? Genau das ist nötig! Doch geschieht dies gerade wirklich?
Der Bund und die vier Kohle-Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen unterzeichneten am Donnerstag in Berlin eine Vereinbarung, die dafür sorgt, dass ab sofort Gelder fließen können. Rund vierzig Milliarden Euro sollen in die Umgestaltung der Kohleregionen gesteckt werden. Um Arbeiter*innen möglichst fair gegenüberzutreten wäre es jedoch am besten möglichst früh aus der Kohle auszusteigen, damit genug Zeit bleibt, um diese benötigten Transformationsprozesse voranzubringen. Da ist es völlig falsche noch so lange an der Kohle festzuhalten. Die derzeitigen Pläne sind außerdem zu schwammig formuliert, sodass nicht gesagt werden kann, wo welche Gelder letzten Endes hinfließen – wird bereits jetzt kritisiert.
Fest steht: der Wandel muss kommen, und zwar so schnell wie möglich!

Kommunale Kohleinvestitionen: Unsere Recherche mit Correctiv deckt kommunale Beteiligung an Kohleverstromung in NRW auf

Aktivist*innen von Fridays for Future haben gemeinsam mit der Recherche-Plattform Correctiv fast 400 Kommunen in NRW angefragt, inwiefern sie direkt oder indirekt an Kohlekraftwerken beteiligt sind oder noch Anteile an Kohlestromunternehmen wie RWE halten. Die Antworten der Kommunen hat Correctiv auf ihrer Website veröffentlicht. Es zeigte sich: Ca. jede fünfte Kommune ist immer noch finanziell am Klimakiller Kohle finanziell beteiligt und die Kommunen sind zum Teil sehr intransparent in der Kommunikation. Lest dazu auch unseren Sonderbericht und schaut auf der Website von Correctiv nach, ob und wie eure Kommune geantwortet hat!

Offener Brief: Journalist*innen nehmt die Klimakrise ernst!

„Wir stehen gerade an einem historischen Punkt. Einem Punkt, an dem sich entscheidet, wie die Erde für die nächsten 10.000 Jahre aussehen wird – und das scheint längst nicht allen Journalist*innen bewusst zu sein.“ , schreibt die Journalistin Sara Schurmann in ihrem offenen Brief an ihre Kolleg*innen, der von ca. 50 Journalist*innen mitunterzeichnet wurde. Sie fordert, dass die Klimakrise in allen Bereichen der Berichterstattung, egal ob Wirtschaft, Politik oder Kultur- und Sportbetrieb miteinzubeziehen, weil sich Folgen der Erderwärmung auf alle Bereiche des menschlichen Lebens auswirkt. Berichterstattung über die Klimakrise sei kein politischer Aktivismus, sondern es sei die Aufgabe der Medien, als vierte Gewalt in der demokratischen Gewaltenteilung, die Einhaltung des 1,5°C Ziels zu kontrollieren.

Den gesamten Brief kannst du hier lesen und mitunterzeichen.

Von wegen gut für die Allgemeinheit – Klimaleugnerverein Eike e.V. muss Gemeinnützigkeit wieder aberkannt werden

Wenn ein Verein die Allgemeinheit selbstlos auf geistigem, sittlichen oder materiellem Gebiet fördert, kann er offiziell als „gemeinnützig“ anerkannt werden. Dann erhält vom Staat bestimmte Steuererleichterungen, kann beispielsweise Spendenquittungen ausstellen, sodass seine Spender*innen ihre Spenden von ihren Steuern absetzen können und dadurch mehr Menschen zum Spenden motivieren. Ausgerechnet das in Jena ansässige „Institut“ „Europäisches Institut für Klima & Energie“ (EIKE e.V) wurde anscheinend von dem dortigen Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Das Problem: Der Existenzzweck dieses „Instituts“ ist es die menschengemachte Erderwärmung zu leugnen.

Trotz der wissenschaftlich fundierten Berichte des IPCC, für die hunderte Wissenschaftler*innen die Ergebnisse aktueller Forschung aus der ganzen Welt auswerten, streuen sie Falschmeldungen und Missinformationen, die unterstellen, dass die menschengemachte Klimakrise nicht real wäre. Das kein*e seriöse*r Wissenschaftler*in ihre Argumente unterstützt, hält sie nicht davon ab auch politische Lobbyarbeit zu machen, nach Recherchen von Correctiv pflegt der Verein enge Beziehungen zur AfD. Außerdem steht Eike e.V. in Kontakt zu dem US-amerikanischen Heartland Institute, die ebenfalls den Klimawandel leugnen und dies mit allen möglichen Mitteln, inklusive Geldspenden, in die Politik tragen wollen.

Ihr könnt etwas tun, indem ihr eine Mail an Poststelle@finanzamt-jena.thueringen.de schreibt und ihre Entscheidung hinterfragt. Formulierungshilfen für eine solche Mail findet ihr hier.